Nudelaffäre bremst Nestlés Wachstum

18. Februar 2016, 12:32
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Der Gewinnn des weltgrößten Lebensmittelkonzerns schrumpfte um 5,4 auf 9,1 Milliarden Franken

Vevey – Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestle stellt sich angesichts durchwachsener Geschäfte in Schwellenländern auf Gegenwind ein. Im laufenden Jahr werde das organische Wachstum auf dem Vorjahresniveau von 4,2 Prozent verharren, teilte das für Marken wie Maggi, Nescafe oder Nespresso bekannte Unternehmen am Donnerstag mit. Eigentlich hatten sich die Schweizer eine Zielmarke beim Wachstum von fünf bis sechs Prozent gesetzt – diese aber auch in den vergangenen drei Jahren verfehlt. "Wir gehen davon aus, dass unser Handelsumfeld im Jahr 2016 den Vorjahren ähneln wird, mit noch schwächeren Preisanpassungen", erklärte das Management. 2015 hatte Nestle das schwächelnde Geschäft in China und ein Lebensmittelskandal um Fertignudeln in Indien zu schaffen gemacht.

Dort musste Nestle seine beliebten Maggi-Fertignudeln für fünf Monate aus den Regalen nehmen, nachdem Lebensmittel-Kontrolleure in einigen Paketen bedenklich hohe Blei-Konzentrationen gefunden hatten. Mitte November hatte der Konzern das Produkt wieder auf den Markt gebracht. Zuvor hatten Tests von amtlich zugelassenen Labors nach Darstellung von Nestle gezeigt, dass das Produkt sicher sei. In China dämpften die Börsenturbulenzen und die schwächere Wirtschaftsentwicklung die Konsumfreudigkeit und die Menschen griffen weniger oft zu den Süßigkeiten und Kaffees von Nestle. Zudem traf das Unternehmen mit seinen Produkten nicht mehr den sich ändernden Geschmack der Kunden. In der gesamten Region wuchs Nestle daher im vergangenen Jahr nur durch Preiserhöhungen.

Gewinn schrumpft

Besser schnitt der Lebensmittelriese in Nord- und Südamerika ab, wo das lange Zeit kränkelnde Tiefkühlkostgeschäft wieder anzog. Auch in Europa und Nordafrika konnte der Konzern zulegen – trotz wirtschaftlicher und politischer Turbulenzen etwa in Russland, Syrien oder dem Jemen.

In absoluten Zahlen ging der Umsatz 2015 auch wegen Wechselkurseffekten auf 88,8 Milliarden Franken von 91,6 Milliarden im Jahr davor zurück. Der Gewinn schrumpfte um 5,4 Milliarden auf 9,1 Milliarden Franken. 2014 hatte Nestle allerdings vom Verkauf weiterer Anteile am Kosmetikkonzern L'Oreal profitiert, der den Gewinn in die Höhe getrieben hatte. Die Aktionäre sollen dennoch eine höhere Dividende von 2,25 Franken je Papier erhalten – nach 2,20 Franken für das Jahr davor. Analysten hatten durchschnittlich mehr Umsatz und Gewinn sowie ein höheres organisches Wachstum erwartet. Die Kennzahl setzt sich zusammen aus dem eigentlichen "internen Realwachstum" und Preiserhöhungen.

Der für Marken wie Knorr, Dove oder Lipton bekannte Konsumgüter- und Lebensmittelkonzern Unilever verbuchte für 2015 ein bereinigtes Wachstum von 4,1 Prozent. Danone will seine Eckdaten kommende Woche vorlegen. (Reuters, 18.2.2016)

  • Nestlé stellt sich auf Gegenwind ein.
    foto: reuters

    Nestlé stellt sich auf Gegenwind ein.

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