Papst beklagt an US-Grenze Schicksal von Migranten

18. Februar 2016, 07:14
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Franziskus: Ungerechtigkeit trifft vor allem Jugendliche, die wie "Kanonenfutter" verfolgt und bedroht werden

Vatikanstadt/Ciudad Juarez – Der Ort war als Symbol ausgesucht worden: Papst Franziskus hat an der Grenze zwischen Mexiko und den USA über das Migrationsdrama in dieser Region geklagt. "Wir können die humanitäre Krise nicht leugnen", sagte Franziskus während einer Predigt unter freiem Himmel in der nördlichen Grenzstadt Ciudad Juarez in der mexikanischen Unruheregion Chihuahua.

Die Messe vor Zehntausenden Menschen wurde auch von Gläubigen auf der anderen Seite der Grenze verfolgt. Der Papst war am letzten Tag eines Besuches in Mexiko bis an wenige Meter an die US-Grenze gereist.

"Versklavt, verschleppt"

Franziskus klagte dort über die "schrecklichen Ungerechtigkeiten", die viele Migranten aus Lateinamerika in der Grenzregion erleiden müssten. Jedes Jahr versuchen Zehntausende Menschen, die Grenze zu den USA auf der Flucht vor Armut und Gewalt zu passieren.

Viele diese Menschen gerieten in die Hände von Menschenschmugglern und würden "versklavt, verschleppt und erpresst", sagte der 79-Jährige. Die Migranten würden nicht nur unter der Armut, sondern zudem unter dieser Gewalt leiden.

Globales Phänomen

Diese Ungerechtigkeit treffe Jugendliche in noch radikalerer Form, mahnte Franziskus: "Sie werden wie "Kanonenfutter" verfolgt und bedroht, wenn sie versuchen, aus der Spirale der Gewalt und der Hölle der Drogen auszubrechen". Die menschliche Tragödie der Zwangsmigration sei heute ein globales Phänomen.

Der Papst erinnerte auch an das Schicksal von Dutzenden von ermordeten Frauen in Ciudad Juarez. Die Stadt ist seit langem Drehkreuz für Drogenhandel und Armutsmigration im Norden Mexikos. Sie galt jahrelang als einer der gefährlichsten Orte der Welt.

Kritik an Gefängnissen

Am Gottesdienst auf einem Messegelände von Ciudad Juarez nahmen offiziellen Zahlen zufolge mehr als 200.000 Gläubige teil. Weitere Zehntausende verfolgten die Messe live in einem Stadion des nur wenige Meter entfernt liegenden El Paso im US-Bundesstaat Texas. Auf beiden Seiten der Grenze standen zudem Tausende Menschen.

Franziskus hatte zuvor eine Haftanstalt in Ciudad Juarez besucht. Er kritisierte dort die miserablen Zustände in vielen Gefängnissen und forderte eine menschlichere Behandlung für straffällige Menschen. Seit Jahrzehnten würde die Gesellschaft nur einsperren und ausgrenzen als Lösung für soziale Probleme. Die Wiedereingliederung der Menschen beginne aber nicht zwischen den Mauern der Gefängnisse, sondern draußen auf den Straßen, sagte der Papst.

Menschenrechtler prangern seit Jahren die Haftbedingungen in mexikanischen Gefängnissen als katastrophal an. Erst vor einer Woche waren nach einem Streit zwischen Häftlingen in einer Anstalt des nördlichen Bundesstaates Nuevo Leon 49 Menschen ums Leben gekommen. Nach der Messe wollte Franziskus seinen mehrtägigen Besuch in Mexiko beenden und nach Rom zurückfliegen. (APA, 18.2.2016)

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    foto: reuters/max rossi
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