Wärmebilder: Ursachenforschung bei der Schimmelwand

19. Februar 2016, 11:30
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Wie Wärmebildkameras zur Qualitätskontrolle der Energietechnik eines Gebäudes eingesetzt werden

Wien – Wurde die Dämmung des Altbaus richtig ausgeführt? Woher kommt plötzlich der Schimmel an der Wand? Warum ist trotz Sanierung die Heizrechnung so hoch? Als ein Hilfsmittel für die Beantwortung derartiger Fragen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten die Infrarotthermografie etabliert. Mit entsprechenden Kameras wird die Wärmeabstrahlung von Objekten erfasst – großteils, um Baumängel oder Schäden zu identifizieren. In Zeiten von Passiv- und Niedrigenergiehäusern wurde die Technik zu einer Art der Qualitätskontrolle. Dabei könne man aber viel falsch machen, wie Stefan Filzwieser, Vorstand der Österreichischen Gesellschaft für Thermografie erklärt.

Ursachenfindung

Ein häufiger werdendes Einsatzgebiet, mit dem die Sachverständigen konfrontiert sind, ist die Ursachenfindung bei Schimmel. "Die Probleme tauchen meist nicht bei Neubauten auf, sondern nach Sanierungen", so Filzwieser. "Wenn Altbauten mit neuen Fenstern ausgestattet werden und die Bewohner ihr Lüftungsverhalten nicht anpassen, verändert sich das Raumklima. Das kann Probleme mit Schimmel mit sich bringen."

Bei Wärmebilduntersuchungen reicht es dabei nicht, von außen zu messen – damit sei maximal ein grober Überblick zu erreichen. Eine umfassende Messung könne nur von innen erfolgen. Bei Passivhäusern oder Dachbodenausbauten habe man von außen wenig Chancen auf sinnvolle Messungen. Interessanterweise sind ungedämmte Gebäude seltener Gegenstand der Wärmebilduntersuchungen. "Hier kann man überblicksmäßig drüberschauen. Bei einem alten Haus weiß man aber in der Regel, wo die Wärmebrücken sein werden. Meistens bestätigt sich das dann. Wenn man vor und nach der Sanierung thermografiert, veranschaulicht das die eklatanten Unterschiede durch die Dämmung."

Bilder müssen aber nicht nur richtig aufgenommen, sondern auch richtig interpretiert werden. "Es kommt vor, dass die Thermogramme in Ordnung sind, aber die Bewertung grundlegend falsch ist", sagt Filzwieser. Um etwa Schimmelursachen zu eruieren, müssten Informationen zur Bauweise miteinbezogen werden.

Notwendige Zusatzdaten

Der Sachverständige warnt vor selbsternannten Experten, die für wenige Euro ein Billiggerät auf die Hausmauer richten. Als Kunde sollte man auf Zertifizierungen achten. Nicht nur die gemessene Temperatur der Wandoberfläche, sondern auch Innen- und Außentemperatur während der Messung seien wichtig. "Am besten ist es, die Außentemperatur nicht nur zum Messzeitpunkt, sondern auch 24 Stunden davor zu kennen", erläutert Filzwieser.

Es gebe viele Fehlerquellen in der Bewertung der Messdaten: Höhere Temperatur unter Dachvorsprüngen verweist nicht unbedingt auf mangelhafte Dämmung, sondern lässt sich aus einem strahlungsphysikalischen Phänomen ableiten. Bei Trockenbaukonstruktionen sind gewisse Wärmebrücken unvermeidbar. Auch Wärmebrücken an Ecken sind normal und können falsch interpretiert werden, genauso wie eine am Bild sichtbare Ständerkonstruktion einer Leichtbauwand.

Und auch wenn es banal klingt: Fehler ergeben sich oft einfach durch die falsche Interpretation der dargestellten Farben. Diese hängt nicht nur von der Temperatur, sondern auch von den Geräteeinstellungen ab. Filzwieser: "Das ist ein häufiger Fehler. Ich kann eine Kamera so einstellen, dass Passivhausfenster rot leuchten, während die Fassade dunkelblau ist, obwohl die Fenster ganz in Ordnung sind." (pum, 18.2.2016)

  • Warum ist die Heizrechnung so hoch? Wärmebilder können helfen, diese Frage zu beantworten.
    foto: ap photo / michael probst

    Warum ist die Heizrechnung so hoch? Wärmebilder können helfen, diese Frage zu beantworten.

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