Hypo: "Eine Leiche bleibt eine Leiche"

17. Februar 2016, 18:17
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Mafiöse Strukturen "vom Balkan bis rund um den Wörthersee" seien Grund für den Niedergang, meinen die Neos. Ex-Hypo-Vizechef Edelmüller wurde befragt

Wien – Hat die Hypo Alpe Adria nach der Verstaatlichung noch riskante Geschäfte gemacht und Wertberichtigungen und Vorsorgen nur halbherzig verbucht? Diesen Verdacht äußerten am Mittwoch im Untersuchungsausschuss bei der Befragung des früheren Vizechefs der Bank, Wolfgang Edelmüller, einige Abgeordnete. Mit Dokumenten sollten die Behauptungen untermauert werden, was den ein oder anderen Schlagabtausch mit der Auskunftsperson nach sich zog.

Rainer Hable beispielsweise von den Neos brachte einige Unterlagen vor, die auf mangelnde Bereinigung der Problembereiche nach der Verstaatlichung hinwiesen. Beispielsweise ein internes Papier aus der Hypo von Mitte 2011, wonach die "Höhe des Kreditrisikos nicht erkennbar" und "Prozess und Methoden völlig unzureichend" seien.

Zu wenig Vorsorge

Auch Vorwürfe der Osteuropabank EBRD, in den Südosteuropatöchtern der Hypo sei für das Risiko nicht ausreichend vorgesorgt worden wurden zitiert. In das Bild passende: Die EU-Kommission monierte im Beihilfeverfahren Mängel bei sieben von acht geprüften Krediten.

Edelmüller präsentierte sich in den Bankfragen äußerst versiert, hatte fast alle Ereignisse, Daten und – vor allem – Fachtermini parat und scheute gelegentlich vor Konfrontation nicht zurück. Dass die Hypo, wie von Hable behauptet, 2011 trotz der erwähnten Kreditrisiko-Defizite zwei Milliarden an neuen Darlehen vergab, sei eine "falsche Interpretation" des Neos-Fraktionsführers.

"Mafiöse Kredite"

Hable ging dann seinerseits in die Offensive und spießte Edelmüllers Angaben auf, wonach die Rezession am Balkan verantwortlich für nachhaltig hohe Wertberichtigungen gewesen sei. Schuld am Debakel seien "die mafiösen Kredite am Balkan, in Italien und rund um den Wörthersee." Nachsatz: "Eine Leiche bleibt eine Leiche."

Edelmüller räumte immerhin ein, dass die Hypo wegen früherer Machenschaften, mit Kickbacks bei Kreditvergaben, "auch ohne Finanzkrise geplatzt wäre". Er beharrte aber, dass der Vorstand alles unternommen habe, um die Bank umzudrehen. Das Njet zur Gründung einer Bad Bank durch Finanzministerin Maria Fekter, der von Brüssel ausgehende Zeitdruck bei der Verwertung von Vermögen und dem Verkauf von Beteiligungen und eben die schlechte wirtschaftliche Lage am Balkan hätten die Sanierung verhindert, führte Edelmüller aus.

Fekters Schutzpatron

Zur originellen Konstellation kam es, als der Grüne Werner Kogler infrage stellte, dass die Hypo massiv auf eine Abbaubank gedrängt habe. Auch wenn "Frau Fekter nicht meines Schutzes bedarf", konstatierte er, dass die Bank nie Alarm geschlagen habe. Edelmüller räumte ein, dass der Aufsichtsrat unter Johannes Ditz in der Frage der Auslagerung fauler Kredite lange nicht an Bord war – erst 2012, zwei Jahre nach Bestellung von Edelmüller und Gottwald Kranebitter als Bankchef war es demnach so weit. (as, 17.2.2016))

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