EU will Antibiotika-Einsatz bei Tieren bremsen

18. Februar 2016, 13:37
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Mittel sollen nur noch kranken Tieren verabreicht werden, vorbeugender Einsatz etwa im Trinkwasser soll verboten werden

Brüssel/Wien – Der Fleischkonsum in der EU steigt, und damit die Bedeutung der Nutztierhaltung. Das macht eine Neuregelung des Antibiotika-Einsatzes bei Tieren notwendig, sagt Elisabeth Köstinger, ÖVP-Abgeordnete im Europäischen Parlament: "Bei Tieren wie bei Menschen braucht nicht gegen jeden Schnupfen mit Antibiotika geschossen werden." Ein ganzes Paket veterinärmedizinischer Regeln wird derzeit in Brüssel diskutiert.

Grundsätzlich sind sich die EU-Staaten einig, dass es notwendig ist, den Antibiotika-Einsatz bei Tieren einzuschränken. Nur so kann die Wirksamkeit des Medikaments bei Mensch und Tier erhalten bleiben.

Medikamente im Trinkwasser

Die Realität sieht aber oft anders aus. Die Verabreichung präventiv oder im Gießkannenprinzip – etwa indem Antibiotika vorbeugend dem Futter beigemischt werden – ist möglich und wird in einigen EU-Ländern praktiziert. Schweine- und Geflügelhalter in Ländern wie Spanien mischen Antibiotika dem Trinkwasser der Tiere bei – das wird dann "Trinkwassermedikation" genannt.

Ein Graubereich der ganzen Materie ist der Onlinehandel. Selbst rezeptpflichtige Tierarzneimittel können im Web erworben werden, sodass auch gefälschte Medikamente in Umlauf kommen können. Köstinger berichtet, dass sich Österreich vehement dagegen ausspricht – sich aber anscheinend nicht gänzlich durchsetzen wird. Der Onlineverkauf von Tiermedikamenten bleibt möglich, soll allerdings nur über zertifizierte Händler erlaubt werden.

Arzneien für Ziegen und Bienen

Österreich ist recht fortschrittlich-rigid im Umgang mit Tierantibiotika. Großhandel und Industrie müssen ihre Liefermengen an Apotheken und Veterinärmediziner melden. Zur Vorbeugung von Krankheiten oder gar zur Leistungssteigerung ist der Einsatz von Antibiotika verboten. So ist deren Verwendung in der Tierhaltung auch zurückgegangen. 2013 wurden je Tonne Fleisch "nur" 57 Milligramm Antibiotika verabreicht. In Deutschland waren es 179 Milligramm, in Italien 201. Bei Geflügel ist der Antibiotika-Einsatz in Österreich von 4,71 Tonnen im Jahr 2011 auf 2,65 Tonnen 2014 zurückgegangen.

Köstinger sagt, dass mit den Verordnungen die Erforschung von Krankheiten "kleiner" Tiere forciert werden soll – Arzneien für Ziegen und Bienen etwa. Das sei zuletzt verabsäumt worden. (Johanna Ruzicka, 18.2.2016)

  • Die EU-Staaten sind sich einig, dass es notwendig ist, den Antibiotika-Einsatz bei Tieren einzuschränken.
    foto: apa / gaizka

    Die EU-Staaten sind sich einig, dass es notwendig ist, den Antibiotika-Einsatz bei Tieren einzuschränken.

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