Omar Sarsam: "Bubizin" für Spitalsfreunde

17. Februar 2016, 21:41
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Der Comedian mit "Diagnose: Arzt" im Kabarett Niedermair

Wien – Den weißen Kittel legt Omar Sarsam ausnahmsweise ab. Schließlich muss der Comedian – im Brotberuf Kinderchirurg – heute einmal selbst zum Doktor. Es zwickt, wie immer im Komödienfach, irgendwo in der Körpermitte. Entsprechend mulmig ist dem Untersuchungsobjekt beim Check mit dem Strahlungsgerät. Muss das denn wirklich alles sein? Es muss. Denn sind Sprachzentrum und Limbus erst stimuliert, plappert man ganz ungeniert.

Dann ruft sich Sarsam die prägende Kindheit in Erinnerung: Als der kleine Omar mit dem arabisch-jugoslawischen Akzent noch erfundenen Weisheiten des Vaters folgen musste: "Von Lachen bekommst du Falten auf Kopf." Ähnlich eingeprägt hat sich da auch die Belegschaft des väterlichen Restaurantbetriebs: Der Chinese, der Inder, der Araber, der Holländer – Sarsam parodiert die schrulligen Figuren verschmitzt und liebenswürdig.

Das sprachliche (Miss-)Verständnis steht im Zentrum von Sarsams Humor. Ein solches hätte auch fast die Heirat mit seiner Jugendliebe verhindert. Heute bezahlt der 35-Jährige mit Geruchsfolter im Bioladen. Was hilft, ist Musik; die macht Sarsam mit Gitarre, Klavier und Sample-Computer. Von Herbert Grönemeyer bis zum französischen Chansonnier immitiert er mit Leichtigkeit verschiedenste Gesänge – eine Stärke, ebenso wie die Grimasse. Die verzieht Sarsam nicht nur als armer Tropf bei der Befundbesprechung, sondern auch als nuschelnde, echt-wienerische Spitalssekretärin oder Paradeurologe Doktor Urosevic.

Politik und Gesellschaftskritik lässt Omar Sarsam weitgehend draußen, er beobachtet lieber, als zu diagnostizieren. Als Meister der Akzente entwirft er aber eine witzige Studie über Multikulturalismus in verschiedenen Lebenswelten. Dass Sarsam neben der Medizin immerhin eine gleichberechtigte "Bubizin" vermisst, sei auch noch erwähnt. (Stefan Weiss, 17.2.2016)

  • Arztcomedy und Multikulti-Studien: Omar Sarsam.
    foto: omar sarsam

    Arztcomedy und Multikulti-Studien: Omar Sarsam.

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