Schlepper-"Tatort" aus Stuttgart: Flüchtlinge als Statisten

20. Februar 2016, 09:00
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"In Afrika alle glauben, ist Paradies, aber ist nix", sagt die Nigerianerin Lela über Deutschland

Nix wird’s am Sonntag beim Tatort mit gefälliger Unterhaltung durch Gattenmord in der Vorstadtvilla oder Eifersuchtsdrama in der Showbranche. Die Stuttgarter Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ermitteln sich in der Folge Im gelobten Land mitten durch die aktuelle Flüchtlingskrise.

In einem Lastwagen auf einem Autobahnrastplatz finden sie die Leichen von 23 Menschen, die die von Schleppern organisierte Flucht nicht überlebt haben. Parallelen zum schrecklichen Geschehen in Österreich vor sechs Monaten sind da kein Zufall.

Der Schlepper und seine Schwester müssen daraufhin auch flüchten, und zwar ausgerechnet in ein tristes Flüchtlingsheim. Lannert rennt ihnen hinterher, er wird als Geisel genommen. Also hetzen Bootz und das SEK wiederum Lannert nach, und man darf jetzt genau einmal raten, wie das ganze dann endet.

Das vorherige Katz- und Mausspiel ist zwar nicht gänzlich unspannend, aber dennoch muss man sich diesen Tatort nicht unbedingt antun. Weil es darin um Schlepper geht, ist natürlich die Frage nicht weit: Sind diese allesamt böse? Oder helfen sie eigentlich nur verzweifelten Menschen?

Beantwortet wird sie nur oberflächlich, wie überhaupt jegliches Flüchtlingsschicksal nur am Rande gestreift wird und den Asylbewerbern in dem tristen Heim bloß die Statistenrollen zugedacht wurden. "In Afrika alle glauben, ist Paradies, aber ist nix", sagt die Nigerianerin Lela über Deutschland. Aber das war’s auch schon an Erkenntnis. Privatleben haben Lannert und Bootz diesmal auch keines. Das kann man positiv sehen, aber in dem Fall trägt es zur Langeweile bei. (Birgit Baumann, 20.2.2016)

  • Lela (Florence Kasumba) zeigt Thorsten Lannert (Richy Müller) die Narben, die ihr Leiden in Nigeria bezeugen. Doch immer wieder wird behauptet, dass sie sich die Wunden auch selbst beigebracht haben könnte, um im Land bleiben zu dürfen.
    orf/ard/swr/johannes krieg

    Lela (Florence Kasumba) zeigt Thorsten Lannert (Richy Müller) die Narben, die ihr Leiden in Nigeria bezeugen. Doch immer wieder wird behauptet, dass sie sich die Wunden auch selbst beigebracht haben könnte, um im Land bleiben zu dürfen.

  • Mit Jamal (Orhan Kilic, li.) als Übersetzer versucht Sebastian Bootz (Felix Klare) herauszufinden, ob einer der Bewohner des Heims Thorsten Lannert oder den verdächtigen Milan Kostic gesehen hat.
    orf/ard/swr/johannes krieg

    Mit Jamal (Orhan Kilic, li.) als Übersetzer versucht Sebastian Bootz (Felix Klare) herauszufinden, ob einer der Bewohner des Heims Thorsten Lannert oder den verdächtigen Milan Kostic gesehen hat.

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