Türsteher vor Wiener Disco erschossen: 54-Jähriger geständig

17. Februar 2016, 12:56
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Schütze stellte sich mehr als sechs Jahre nach der Bluttat freiwillig: "Bin in der Absicht hingegangen, auf ihn zu schießen, weil er mein Kind geschlagen hat"

Wien – Ein 54-jähriger Mann, der in der Nacht auf den 19. April 2009 vor einer Disco in der Nordwestbahnstraße in Wien-Brigittenau einen Security-Mitarbeiter mit einer Pistole getötet hatte, hat sich am Mittwoch in seinem Mordprozess im Straflandesgericht schuldig bekannt. "Ich bin in der Absicht hingegangen, auf ihn zu schießen, weil er mein Kind geschlagen hat", erklärte der Angeklagte.

Er "anerkenne, was mir zur Last gelegt wird" und bedaure die Tat, stellte der 54-Jährige zu Beginn der Verhandlung klar. Staatsanwältin Iris Braith bezeichnete ihn als "eigentlich keinen Kriminellen". Es handle sich vielmehr um einen "ganz normalen Familienvater, vier Kinder, keine Vorstrafen." Der gebürtige Serbe hatte in Wien auf mehreren Baustellen als Kranfahrer gearbeitet und ein unauffälliges Leben geführt.

Eines Nachts wurde allerdings sein ältester Sohn aus dem "Club Viva" gewiesen, der sich vor allem bei einem jungen Publikum mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien einer gewissen Beliebtheit erfreut. Ein 29 Jahre alter Türsteher soll dem jungen Mann, der gegen seinen Rausschmiss protestierte, ins Gesicht geschlagen und dabei am Auge verletzt haben. Als der Vater davon erfuhr, "hat er Aggressionen entwickelt. Er hat sich dazu hinreißen lassen, da hinzugehen und die Tat zu vollbringen", sagte Verteidiger Karl Bernhauser.

Kugeln trafen nach Durchschuss weitere Person

Der 54-Jährige begab sich zur Disco, nachdem er sich in seinem Stammlokal den einen oder anderen Schnaps genehmigt hatte, und wollte seinen Angaben zufolge den Türsteher zur Rede stellen, der zwei Wochen vorher seinen Sohn schlecht behandelt hatte. Der Security-Mitarbeiter ließ sich jedoch auf keine Diskussionen ein. Anstatt abzuziehen trieb sich der Angeklagte noch eine Weile vor dem Lokal herum, zog plötzlich eine Pistole (Kaliber neun Millimeter) und gab im Vorbeigehen aus einer Entfernung von zwei Metern acht Schüsse auf den Türsteher ab. "Szenen, die Sie sonst nur aus amerikanischen Krimi-Serien oder Actionfilmen kennen", bemerkte dazu die Staatsanwältin in Richtung der Geschworenen.

Der 29-Jährige hatte keine Überlebenschance. Er wurde fünf Mal im Brustbereich getroffen. Zwei Projektile durchschlugen seinen Körper und drangen dem unmittelbar neben ihm stehenden Disco-Besitzer in Bauch und Oberarm. Eine Notoperation rettete dem 51-Jährigen das Leben, während der Türsteher noch im Krankenwagen seinen schweren Verletzungen erlag.

Dem Schützen gelang die Flucht. Nachdem in den Medien Fotos aus den im Eingangsbereich der Disco angebrachten Überwachungskameras veröffentlicht wurden und ein anonymer Hinweis auf die Identität des Täters einging, setzte sich der Mann in seine ursprüngliche Heimat ab. Dort lebte er unter falschem Namen jahrelang unbehelligt, ehe er im Sommer des vorigen Jahres nach Österreich zurückkehrte und sich freiwillig den Strafverfolgungsbehörden stellte. "Was er getan hat, hat ihn belastet. Er ist hier her gekommen, um sich zu verantworten", gab sein Verteidiger zu bedenken, der um ein "gerechtes und faires Urteil" bat.

Einem psychiatrischen Gutachten zufolge war der Angeklagte im Tatzeitpunkt zurechnungsfähig. Ob ein längere Zeit zurückliegender Verkehrsunfall, bei dem der 54-Jährige derart erheblich verletzt wurde, dass er zwölf Tage im Koma lag, etwas mit der inkriminierten Bluttat zu tun haben könnte, wird beim zweiten Verhandlungstag am kommenden Montag erörtert. Dann ist der Sachverständige geladen. Laut Verteidiger Bernhauser machten dem Angeklagten nach dem Unfall Panikattacken zu schaffen, die der Anwalt mit der Schießerei in Verbindung brachte: "Aufgrund dieses traumatischen Erlebnisses hat er eine seelische Problematik entwickelt. Da setzt man Aggressionen frei, die man eigentlich gar nicht will und bereut." (APA, 17.2.2016)

  • Sechs Jahre nach der Tat musste sich der Verdächtige vor Gericht verantworten.
    foto: apa/herbert neubauer

    Sechs Jahre nach der Tat musste sich der Verdächtige vor Gericht verantworten.

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