Russisch-saudischer Anlauf zur Ölpreiswende

17. Februar 2016, 09:09
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Der Verfall der Rohölpreise führt zu neuen Allianzen. Der Irak, der Iran und Russland setzen sich an einen Tisch

Doha/London/Wien – Der Verfall der Rohölpreise schmerzt die Produzentenländer immer mehr – und begünstigt das Entstehen neuer Allianzen. Erstmals seit Beginn der Preistalfahrt im Sommer 2014 haben sich drei wichtige Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) mit Russland an einen Tisch gesetzt. Ergebnis der in Katars Hauptstadt Doha geführten Gespräche ist, die Ölproduktion auf derzeitigem Niveau einzufrieren.

"Wir glauben, dass dieser Schritt den Markt stabilisieren wird", sagte Mohammed bin Saleh al-Sada, der Gastgeber des Treffens, am Dienstag in Doha. Das Einfrieren der Ölproduktion würde zwar heißen, dass immer noch 1,0 bis 1,5 Millionen Fass am Tag mehr aus den Ölhähnen fließt, als die Welt im Moment benötigt. Mittelfristig könnte ein Deckel aber sehr wohl Wirkung zeigen.

"Wenn den Ankündigungen Taten folgen, könnte das Überangebot an Öl im Verlauf des zweiten Halbjahrs 2016 sehr wohl verschwinden", sagte Carsten Fritsch, Analyst bei der Commerzbank in Frankfurt, dem STANDARD. "Erstens sagen alle Prognosen, dass die Ölproduktion in den USA heuer zurückgehen wird – weil sich Schieferöl bei Preisen um die 30 Dollar für viele nicht mehr rechnet; zweitens ist davon auszugehen, dass die weltweite Nachfrage nach Rohöl weiter steigt."

Der Ölpreis machte am Dienstag nach Bekanntwerden der Vereinbarung zwischen Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela zwar einen Satz nach oben, gab dann aber wieder etwas nach. Grund sind Zweifel, ob die Vereinbarung tatsächlich trägt. Sie ist daran geknüpft, dass andere Produzenten auch mittun, wie Katars Vertreter bei den Gesprächen, Saleh al-Sada, der Nachrichtenagentur Reuters sagte.

Reise nach Teheran

Am Mittwoch will der venezolanische Ölminister Eulogio Del Pino in Teheran deshalb versuchen, die Ölminister des Iran und des Irak auf ein gemeinsames Vorgehen einzuschwören. Venezuela steht wegen des Ölpreisverfalls mit dem Rücken zur Wand. Experten befürchten, die Regierung in Caracas könnte schon bald Schwierigkeiten mit der Rückzahlung von Anleihen bekommen.

Nicht von ungefähr zählt Venezuela zu jenen Ländern, die schon längere Zeit vehement eine Drosselung der Ölproduktion einmahnen in der Hoffnung, damit den Ölpreis in die Höhe treiben zu können. Für Venezuela, das zu vergleichsweise hohen Kosten Rohöl fördert, ist die Preisbaisse schmerzlicher und schwerer durchzustehen als beispielsweise für Saudi-Arabien. Das wichtigste Opec-Mitgliedsland könnte selbst bei Preisen um zehn Dollar je Fass noch Gewinne aus der Ölförderung lukrieren, so günstig ist die Ölproduktion im Wüstenstaat.

Was die Vereinbarung von Doha wert ist, werde man nach den Gesprächen mit Irak und Iran sehen, sagte Commerzbank-Analyst Fritsch. "Der Irak hat seine Produktion im Vorjahr um eine Million Fass auf inzwischen 4,4 Millionen Barrel gesteigert, wollte heuer die Ölförderung weiter forcieren, könnte aber noch ins Boot geholt werden. Skeptisch bin ich, was Iran betrifft", sagte der Analyst.

Fritsch: "Teheran wird versuchen, nach dem Wegfall der Sanktionen so schnell wie möglich seine frühere Fördermenge von vier Millionen Fass am Tag zu erreichen. Die werden einem Einfrieren der Produktion bei jetzt 2,9 Millionen Fass nicht zustimmen." (Günther Strobl, 17.2.2016)

  • Gesichtiges Treffen Doha
    foto: apa/afp/olya morvan

    Gesichtiges Treffen Doha

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