Kritik an Einstellung von Verfahren gegen "Aula"

16. Februar 2016, 20:20
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Enkel des von Nazis getöteten ehemaligen Justizministers klagt an

Wien/Graz – Die Einstellung des Verfahrens gegen das Monatsblatt Aula, in der befreite Häftlinge des KZ Mauthausen als "Landplage" und "Kriminelle" bezeichnet wurden, sorgt weiter für Entsetzen. Architekt Werner Winterstein, dessen Vater die Haft im KZ Mauthausen überlebte und dessen Großvater im KZ Buchenwald ermordet wurde, gehört zu jenen, die die Causa nicht auf sich beruhen lassen wollen. Er schrieb Justizminister Wolfgang Brandstetter einen Brief, den er dem STANDARD zur Verfügung stellt.

"Als Enkel eines seiner Vorgänger darf er mich nicht blöd sterben lassen", sagt er. Sein Großvater Robert Winterstein war nämlich Staatsanwalt, Generalprokurator und schließlich Justizminister in der Ersten Republik. Robert Winterstein war auch verantwortlich für die Ermittlungen gegen die Juliputschisten von 1934 – und ganz oben auf Hitlers Liste für die ersten Verhaftungen nach dem Anschluss. Neben Robert Winterstein wurden viele weitere Mitglieder der jüdischen Familie in Theresienstadt und Auschwitz ermordet. Für den 1937 geborenen Enkel ist die Einstellung des Verfahrens "unerträglich". "Mein Vater und mein Großvater wurden nicht angeklagt, sondern einfach verschleppt", sagt er. "Der Holocaust hat meine Familie exorbitant dezimiert. Ich erwarte mir eine Antwort des Ministers."

Der 1934 geborene Rechtsschutzbeauftragte Gottfried Strasser befand die Einstellungsbegründung der Grazer Staatsanwaltschaft als richtig – und berief sich dabei, wie berichtet, auf Erzählungen seiner Großeltern und Eltern, die in der Nähe des KZ lebten. Solche Erzählungen gab es von Werner Wintersteins Vater, Peter Winterstein, nicht. Zu schmerzlich war die Erinnerung an das KZ. "Mein Vater hat es abgelehnt in Gegenwart von uns Kindern über Mauthausen zu sprechen." (cms, 16.2.2016)

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