Versuchte Ölpreiswende: Schmierige Diplomatie

Kommentar16. Februar 2016, 17:45
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Die Saudis wollen die unbeliebte Frackingkonkurrenz vom Feld drängen

Was sich in den vergangenen Monaten auf den Ölmärkten zugetragen hat, trifft alle Produzenten ins Mark. Der Ölpreis, von 115 Dollar im Sommer 2014 auf zeitweise unter 30 Dollar je Fass abgestürzt. Länder wie Venezuela am Rand des Kollapses. Selbst Saudi-Arabien, das billiger als alle anderen Öl fördert, könnte bald bei Auslandsbanken um Kredite betteln müssen. Und die US-Schieferölindustrie, die zum Ölreisverfall mit beigetragen hat? Die geht langsam, aber sicher in die Knie.

Damit scheint zumindest ein Kalkül der Saudis aufzugehen, nämlich die unbeliebte Frackingkonkurrenz vom Feld zu drängen. Wie nachhaltig das ist, muss sich erst weisen, weil mit steigenden Ölpreisen wohl auch das Bohren nach Schieferöl wieder attraktiv wird.

Um den Ölpreis rasch aus dem Keller zu holen, haben Russland, Saudi-Arabien, Katar und Venezuela ein Einfrieren der Förderung auf derzeitigem Niveau paktiert. Niemand soll die Produktion kürzen müssen, niemand soll aber auch mehr fördern als bisher. Es gibt aber eine Bedingung: Andere Produzenten, namentlich Iran, müssen mitmachen. Damit ist die Vereinbarung, so viel lässt sich jetzt schon sagen, das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben steht. Teheran wird nie und nimmer darauf verzichten, so kurz nach Aufhebung der Sanktionen verlorene Marktanteile zurückzugewinnen. Eine nicht nur schmierige, sondern auch schwierige Diplomatie zeichnet sich ab. (Günther Strobl, 16.2.2016)

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