Hochgiftige Brechnuss in uraltem Bernstein entdeckt

16. Februar 2016, 20:08
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US-Forscher haben die erste intakte Blüte einer fossilen Giftblume entdeckt. Die bisher unbekannte Art lebte vor rund 20 Millionen Jahren

New Brunswick / Wien – George Poinar gehört zu den berühmteren Entomologen des Planeten. Der US-Insektenforscher wurde vor allem dafür bekannt, dass er DNA aus in Bernstein eingeschlossenen Insekten extrahieren wollte – eine Idee, die von Michael Crichton für seinen verfilmten Roman "Jurassic Park" aufgegriffen wurde.

Der Entomologe Poinar interessierte sich lange ausschließlich für Insekten, weshalb ihm zwei Blüten nicht sonderlich auffielen, die in bereits vor 30 Jahren in der Dominikanischen Republik gefundenen Bernsteinklumpen mit eingeschlossen waren. Erst im Vorjahr schickte er Fotos davon an seine Kollegin Lena Struwe von der Rutgers University – sehr zum Entzücken der Forscherin.

Denn Struwes Fachgebiet ist die Paläobotanik, und deshalb war ihr schnell klar, dass es sich hier um einen einmaligen Fund handelt: Zum einen sind intakte Pflanzen oder Blüten in Bernstein sehr viel seltener erhalten als Insekten oder Spinnen (wie zuletzt ein Weberknecht mit Penis). Zum anderen war die Art der Blüte, die vor mehr als 20 Millionen Jahren eingeschlossen wurde, gleich in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich.

Ein umfassender Vergleich mit sämtlichen bislang beschriebenen Arten offenbarte, dass die Pflanzenteile zu einer unbekannten, vermutlich längst ausgestorbenen Spezies der Asteriden zählen. Das ist die artenreichste Pflanzengruppe, der die Tomate, Sonnenblumen, der Tabak, die Minze oder der Kaffeestrauch angehören. Erstaunlicherweise gab es von frühen Asteriden bisher aber kaum Bernstein-Einschlüsse.

Strychnin und Curare

Detailanalysen ließen eine weitere Eingrenzung zu. Wie die beiden Forscher im Fachblatt "Nature Plants" schreiben, zählte die Pflanze zu den Brechnüssen und war damit eng mit der Gewöhnliche Brechnuss verwandt, aus der unter anderem das (Ratten-)Gift Strychnin gewonnen wird. Auch das Pfeilgift Curare wird aus einer Brechnussart hergestellt.

Die Forscher tauften die neue alte Art Strychnos electri getauft, nach dem griechischen Wort für Bernstein, nämlich "Elektron", und sie gehen davon aus, dass auch die fossilen Blüten der neuen Art hochgiftig waren. Das Gift dürften die Pflanzen entwickelt haben, um sich vor Pflanzenfressern zu schützen. (Klaus Taschwer, 16.2.2016)

  • Keine 20 Millimeter lang, gut 20 Millionen Jahre alt und eher ungesund: die Blüte von Strychnos electri.
    foto: george poinar

    Keine 20 Millimeter lang, gut 20 Millionen Jahre alt und eher ungesund: die Blüte von Strychnos electri.

  • Detailaufnahme der ersten intakten Giftblume in Bernstein.
    foto: george poinar

    Detailaufnahme der ersten intakten Giftblume in Bernstein.

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