Werbung und Paranoia

Einserkastl16. Februar 2016, 17:19
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Was die Firmen glauben, dass man so alles braucht

Wenn man als Internet-Benützer leicht paranoid wird, ist das ja kein Wunder: Kaum hast du dir online ein Babygwand für das Kind der Tochter der Cousine deiner Freundin angeschaut – soll heißen: punktuell interessiert bist, aber sonst von Kleinkindern weitgehend unbehelligt durchs Leben gehst -, füllen sie dir deinen Bildschirm schon mit Windeln, Topferln und Batterln.

Wobei das wiederkehrende "Lernen Sie muslemische (sic!) Singles kennen" noch viel mehr nervt. Eh, wenn man sich online über Papua-Neuguinea informiert, dann landet man wahrscheinlich auf dem dortigen Heiratsmarkt.

Ja, was die Firmen glauben, dass man so alles braucht. Irritierend ist, dass das Bedürfnis, das durch ein Angebot befriedigt werden soll, einfach als Tatsache vorausgesetzt wird. Beispiel Viagra. Oder Penisverlängerung, auch wenn die Grundausstattung fehlt.

Nach ähnlichem Muster operiert jetzt auch eine österreichische Versicherung, bei einem gar nicht harmlosen Thema: "Ihr Leben wird sich nach diesem Untersuchungsergebnis ändern", teilt sie mit. Gemeint ist eine Krebsdiagnose.

Uff, da wäre uns stilistisch doch ein Konditionalsatz lieber gewesen als das Format einer Prophezeiung. Nach dem ersten Schreck aber die Erleichterung: Die wissen etwas, was du nicht weißt! Nämlich dass du pumperlgsund bist: Sonst würden sie dir bestimmt keine Versicherung anbieten. (Gudrun Harrer, 16.2.2016)

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