Britische Ale-Tradition

Kolumne23. Februar 2016, 15:00
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"Real Ale" ist für viele Briten eine Glaubensfrage. Wie halten sie es mit den Ales der Craft-Brewer?

Lagerbier geht gar nicht. Am Anfang der Campaign for Real Ale (Camra), die heute die bedeutendste Bierkonsumentenvereinigung der Welt mit 176.269 zahlenden Mitgliedern ist, stand der Kampf gegen die untergärigen Einheitsbiere der großen Brauer, die in den 70er-Jahren das traditionelle, im Keller des jeweiligen Pubs ausgereifte "cask-conditioned" Ale verdrängten.

Die Kampagne war mit ihrem Grundanliegen erfolgreich – das traditionelle Ale ist in vielen britischen Pubs weiterhin gut etabliert. Was sich aber gewandelt hat, ist die Brauerszene.

Moderne Mikrobrauereien

In Großbritannien haben die traditionsbewussten Camra-Leute erst das Sterben vieler Kleinbrauereien beklagt, um dann das Aufkommen moderner Mikrobrauereien zu erleben, die sich um die Feinheiten des Cask-Conditioning wenig geschert, sondern ähnlich wie ihre amerikanischen Vorbilder Ales in Kegs und Flaschen gefüllt haben.

Die Punks von Brew Dog sind ein auch bei uns bekanntes Beispiel. Da gab es längere Zeit viel böses Blut. Aber das scheint sich beruhigt zu haben: Camra-Mitglieder loben heute auch die kleinen britischen Craft-Brewer – und von denen gibt es inzwischen sehr amerikanisch schmeckende Biere wie das "Mosaic" von Great Heck Brewing in Goole (North Yorkshire); dieses Ale hat seine fruchtige Hopfennote vom Mosaic-Hopfen. Ausgeschenkt wird es aber aus dem traditionellen Cask. (Conrad Seidl, RONDO, 23.2.2016)

  • Auch neue Mikrobrauereien setzen in Großbritannien auf Real Ale.
    foto: reuters / suzanne plunkett

    Auch neue Mikrobrauereien setzen in Großbritannien auf Real Ale.

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