Alge, Grüner Kaffee & Co: Die neuen Getränkemacher

20. Februar 2016, 12:00
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Junge Unternehmer wollen den österreichischen Getränkemarkt mit ihren Kreationen aufmischen. Dafür greifen sie unter anderem zu Algen, Grünem Kaffee und Hibiskus

Begriffe wie regional, nachhaltig und healthy werden einem nicht nur von innovativen Spitzenköchen und einfallsreichen Lebensmittelproduzenten entgegengeworfen. Auch immer mehr Getränkehersteller haben erkannt, dass sich ihr Produkt besser verkaufen lässt, wenn es mehr kann, als wachzumachen oder picksüß zu schmecken.

Während die großen Konzerne hier noch etwas hinterherhinken, gibt es immer mehr Kleinstproduzenten, die ihren Traum vom eigenen Getränk verwirklichen und damit die Welt ein bisschen besser machen wollen. In einem Punkt sind sich allerdings alle einig: Reich wird man als kleiner Getränkehersteller nicht. Aber wer will das schon?

Kräuter, Gewürze, bio

"Bei uns stand der Nutzen im Vordergrund. Wir wollten ein Getränk auf den Markt bringen, das völlig ohne Zucker oder Süßungsmittel auskommt, nach was schmeckt und die Kraft der Pflanzen mit transportiert", sagt Sonja Goblirsch.

Gemeinsam mit ihrem Mann vertreibt sie "Ohnly", einen Bio-Eistee, der ohne künstliche Zusatzstoffe auskommt und allerhand positive Eigenschaften haben soll. Hierzu bedient sich das Ehepaar unterschiedlicher Kräuter und Gewürze. Eigentlich eine gute Idee, wenn man bedenkt, dass es sich bei dem Kaltgetränk lediglich um aufgebrühtes Wasser handelt.

Was den besonderen Geschmack ausmacht? Laut Goblirsch sind es die unterschiedlichen Brühzeiten und die besondere Zusammensetzung der Zutaten. Denn obwohl der Eistee, den es mit und ohne Kohlensäure gibt, keine Kalorien hat, ist er überraschend schmackhaft. Bis er Geld abwirft, wird es aber noch dauern. "Es ist eine Illusion, zu glauben, dass man mit einem Getränk in kurzer Zeit reich wird. Das Getränkebusiness ist ein Volumenbusiness", ist Goblirsch überzeugt.

Von 7.000 auf 54.000 Flaschen

Es braucht also schon eine große Begeisterung für das Produkt. Genau diese Begeisterung ist es, die die beiden Niederösterreicher Lukas Renz und Martin Paul antreibt. Die Absolventen der Tourismusschule sind gerade einmal über 20 Jahre jung und vertreiben ein Getränk namens Bärnstein. Dass man ihren Drink noch kaum wo kennt, stört sie nicht.

Von kindlicher Naivität kann aber keine Rede sein, wissen die Jungunternehmer doch ganz genau, was sie wollen. "Wir hatten schon immer dieses Unternehmerfeuer in uns und wussten, dass wir etwas Besonderes machen wollen. Der Getränkemarkt ist übersättigt. Es gibt keine wirklichen Innovationen mehr, sondern nur noch Variationen", sagt Renz und verkündet stolz die Abfüllmenge der letzten Woche.

"Wir haben mit 7.000 Flaschen begonnen. Die letzte Abfüllung lag bei 54.000 Flaschen. Das ist zwar noch immer nicht viel, aber trotzdem total aufregend für uns". Dass die beiden Neogetränkehersteller überhaupt einen Kredit für die Umsetzung ihrer Idee bekommen haben, liegt an ihrem Verkaufstalent und am vorgelegten Businessplan.

Kennzeichnungspflichten

Als Alleinstellungsmerkmal haben sie in ihrem Erfrischungsgetränk nicht ganz typische Zutaten miteinander vermischt. Neben Hibiskus und Holunderblüte finden sich darin auch Dirndln (Kornelkirschen) und die Essenz von Grünem Kaffee, den Renz bei einem Auslandsauftenhalt in Bahrain kennengelernt hat. Beigemengter Verjus, der Saft unreifer Trauben, verleiht dem Getränk seine angenehme Säure.

Neben einem schmackhaften Produkt, den finanziellen Mitteln und einem klaren Ziel müssen Getränkehersteller aber auch garantieren, dass ihr Drink "sicher" ist. "Anders als bei Arzneimitteln darf das Getränk keine Wirkung haben. Ansonsten handelt es sich nicht mehr um ein Lebensmittel. Der Hersteller trägt dafür die Verantwortung", sagt Oskar Wawschinek von der LVA GmbH in Klosterneuburg.

Das Unternehmen ist auf die Überprüfung der vorgeschriebenen Kennzeichnungspflicht und die Analytik der Inhaltsstoffe spezialisiert. "Man kann gewisse Analysen auch selbst durchführen. Bei einer Überprüfung durch die Lebensmittelaufsichtsbehörde muss auf jeden Fall ein Nachweis über die ständige Qualitätssicherung erbracht werden", ergänzt Wawschinek.

Steter Tropfen höhlt den Stein

Renz und Paul haben längst alle Vorgaben erfüllt und vor kurzem einen Vertrag mit einem großen Wiener Getränkehändler abgeschlossen. Damit wollen sie ihr Erfrischungsgetränk noch bekannter machen. Denn das beste Marketing für kleine Hersteller ist natürlich, wenn es ihr Getränk in so vielen Lokalen wie möglich gibt.

Davon ist auch Ulrike Petritsch überzeugt. Die studierte Architektin hat sich mit ihren Geschäftspartnerinnen einen Traum erfüllt. Unter dem Namen Helga vertreiben die Unternehmerinnen ein Erfrischungsgetränk mit Mikroalgen. "Bei uns war es vor allem der persönliche Aspekt, ein Getränk mit Algen zu machen, weil wir es selbst gerne trinken", sagt Petritsch.

Auch wenn mancher bei Algen sofort an Wakame in der Misosuppe denkt, schmeckt der Algendrink mit ein bisschen Kohlensäure äußerst gut und erfrischend. Ab dem dritten Jahr will Petritsch Gewinne schreiben. Bis dahin finanziert wie bei fast allen neuen Getränkeherstellern ohne Konzern im Hintergrund eine Abfüllung die nächste. Aber schließlich ist der Weg das Ziel – auch wenn der Weg unterschiedlich lang ist. (Alex Stranig, RONDO, 20.2.2016)

  • Vielfalt bei den jungen Getränke-Start-ups:  Ohnly Bio Eistee, Bärnstein Limonade, Helga Algendrink und Pona gespritzter Fruchtsaft.
    foto: hersteller

    Vielfalt bei den jungen Getränke-Start-ups: Ohnly Bio Eistee, Bärnstein Limonade, Helga Algendrink und Pona gespritzter Fruchtsaft.

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