Papst bittet Indigene um Vergebung

16. Februar 2016, 17:26
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Franziskus warnt vor der größten Umweltkrise in der Geschichte und entschuldigt sich für Taten der Kirche

Auch am dritten Tag seiner Mexiko-Reise hat Papst Franziskus Zeichen gesetzt. Am Montag entschuldigte er sich bei den indigenen Völkern für die Ausbeutung durch die Mächtigen. Bei einer von Farben, Musik, Riten und Sprachen der Indigenen geprägten Messe im südmexikanischen San Cristóbal erklärte er: "Einige haben eure Werte, eure Kultur und eure Traditionen für minderwertig gehalten. Andere haben – gleichsam trunken von Macht, Geld und den Gesetzen des Marktes – euch eures Bodens beraubt oder ihn durch ihr Handeln verseucht. Wie traurig. Wir sollten dafür um Vergebung bitten."

"Es lebe der Papst der Armen!", schallte ihm entgegen. Vor 100.000 Gläubigen rief er auch zu einem sorgsamen Umgang mit der Natur auf und lobte die indigenen Völker als Beispiel. "Wir können uns angesichts einer der größten Umweltkrisen der Geschichte nicht mehr taub stellen", warnte der Papst, der eine lilafarbene Soutane trug, die mit indigenen Mustern bestickt war.

Indigene als Vorbild

Den indigenen Völkern, die die Mehrzahl der 100.000 Teilnehmer der Messe stellten, zollte er Respekt: "Eure Völker verstehen, in einer harmonischen Beziehung zur Natur zu leben; sie respektieren sie als Nahrungsquelle, gemeinsames Haus und Altar, auf dem die Menschen miteinander teilen." Die durch eine Wegwerfkultur geprägte Gesellschaft brauche die indigenen Völker, mahnte der Papst, der auch das heilige Buch der Maya, Popol Vuh, zitierte.

Das gemeinsame Gebet widmete er den Unterdrückten und rassistisch Diskriminierten. "Wir haben viel gelitten, aber unser Glauben hat uns Kraft gegeben", sagte ein indigener Messdiener dem Papst, bevor er ein Gebet auf Tzotzil sprach. Die Spenden der Gläubigen waren für die Einrichtung zweier Migrantenherbergen. Bei der Messe hatte der Vatikan gebeten, wiederverwertbare Materialien zu verwenden.

Voranschreiten der evangelikalen Gruppen

Nach der Messe betete der Papst am Grab des verstorbenen Bischofs Samuel Ruiz in der Kathedrale von San Cristóbal. Ruiz war einer der wichtigsten Fürsprecher der Indigenas und musste dafür von der konservativen Kirchenhierarchie viel Kritik einstecken. Die indigenen Völker von Chiapas verehren ihn als "tatik", "Vater".

Die Annäherung an die indigenen Völker und die Aufwertung ihrer Kultur und Sprache durch die katholische Kirche geschehen auch vor dem Hintergrund des raschen Voranschreitens der evangelikalen Gruppen in indigenen Gebieten. Der indigen geprägte Bundesstaat Chiapas, in dem San Cristóbal liegt, hat mit 42 Prozent den höchsten Anteil von Nichtkatholiken in ganz Mexiko.

Umarmung einer ledigen Mutter

Anschließend nahm der Papst an einem Familientreffen in Tuxtla Gutiérrez teil, bei dem er Geschiedene und eine ledige Mutter umarmte und erklärte, ihm sei eine Familie lieber, die noch einmal von vorn beginne, als eine narzisstische Familie, die sich nur für Luxus interessiere. Die ersten Tage seines Besuchs waren von Kritik an der politischen und kirchlichen Elite geprägt. Er verglich die Bischöfe mit "Pharaonen" und rief sie auf, sich dem Volk anzunähern und sich nicht von den Verlockungen der Macht und des Geldes verführen zu lassen. Die Politiker nahm er wegen Korruption und Egoismus ins Gebet. Sie ebneten damit den Weg für Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch.

Nicht allen aber waren seine Worte deutlich genug. Bis jetzt habe er keine Stellung bezogen zu Themen wie Korruption und Menschenrechten, schrieb der ehemalige Außenminister Jorge Castañeda. Der Kommentator Ciro Gómez Leyva sprach von "weichgespülter Kritik". Auch der Menschenrechtsanwalt Vidulfo Rosales zeigte sich enttäuscht, dass der Papst bislang nicht die Problematik der Verschwundenen erwähnt habe und es nicht zu einem Treffen mit den Eltern der vor eineinhalb Jahren verschleppten 43 Studenten gekommen sei. (Sandra Weiss aus Puebla, 16.2.2016)

  • Ein Zeichen der Versöhnung zwischen dem Oberhaupt der katholischen Kirche und Vertretern der Indigenas in Südmexiko. Papst Franziskus übte im Rahmen seiner Reise heftige Kritik an der kirchlichen Elite und verglich Bischöfe mit "Pharaonen", die sich dem Volk wieder annähern sollten.
    foto: afp and osservatore romano / stringer

    Ein Zeichen der Versöhnung zwischen dem Oberhaupt der katholischen Kirche und Vertretern der Indigenas in Südmexiko. Papst Franziskus übte im Rahmen seiner Reise heftige Kritik an der kirchlichen Elite und verglich Bischöfe mit "Pharaonen", die sich dem Volk wieder annähern sollten.

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