"Lieber Herr Hitler": ZDF-Webserie "Familie Braun" veralbert Nazis

17. Februar 2016, 07:00
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Mädchen mit Migrationshintergrund mischt Nazi-Brüder auf. Lustig? So war es zumindest gedacht. In Deutschland steht die Serie schwer in der Kritik

"Lieber Herr Hitler. Ich wollte Sie fragen, ob Sie noch ein Bett für einen Gast haben." – "Natürlich, ich habe gerne Gäste. Dann bin ich nicht mehr so allein und nicht mehr so traurig." – "Gut, dann können wir ja zusammen essen." Die kleine Lara spielt "Kocherl" und redet mit einem Plakat, auf dem Adolf Hitler abgebildet ist. Sie schmiert ihr Brot, legt es zusammen – und klatscht es dem Plakat mitten ins Gesicht.

Blamierte Dumpfbacken

Das Kind gehört zu Thomas, er und sein Mitbewohner Kai haben das Plakat angebracht. Sie sind Neonazis, Lara ist schwarz und da, weil die Mutter abgeschoben wurde. In den nächsten zehn Folgen der Webserie Familie Braun rollt sie das Feld von hinten auf: In ihrer Naivität blamiert sie die Dumpfbacken bis auf Blut und Knochen.

zdf

Rund sechs Minuten dauert eine Folge, die voll ist mit absurder Komik und Gastauftritten von Youtube-Stars wie LeFloid, Doktor Froid und Space Frogs.

Lustig? So war es zumindest gedacht von Manuel Meimberg und Maurice Hübner, den Machern der Webserie. Deutsche Medien verurteilen den Zugang zum Teil aufs Schärfste: Die Dialoge seien platt, Pointen vorhersehbar und die Veralberung der Nazis zu schwach, um die richtigen Leute zum Nachdenken anzuregen.

Da ist was dran. Nicht die Komik ist verkehrt, sondern die sentimentalen Momente: ein Neonazi, der dem "Negerkind" beim Einschlafen vorliest. Das ist: zu viel des Guten. (prie, 17.2.2016)

Familie Braun, freitags um 0 Uhr. Alle Folgen in der ZDF-Mediathek und auf Youtube.

  • Kai (Vincent Krüger), Lara (Nomie Lane Tucker) und Thomas (Edin Hasanovic).

    Kai (Vincent Krüger), Lara (Nomie Lane Tucker) und Thomas (Edin Hasanovic).

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