Rekord: Werberat sprach 2015 22 Stopps aus

16. Februar 2016, 14:53
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Sexistische Werbung sorgt weiter für die meisten Beschwerden

Wien – 22 Mal sprach sich der Werberat 2015 wegen Verstößen gegen den Ethikkodex für den Stopp einer Kampagne aus, so oft wie noch nie. 13 Mal ermahnte der Werberat, künftig sensibler vorzugehen. In 52 Fällen sahen die Räte keinen Grund zum Einschreiten. Insgesamt behandelte der Verein im vergangenen Jahr 284 Beschwerden, 168 davon führten zu Entscheidungen. Ein deutlicher Rückgang gegenüber 2014. Damals sorgte das Plakat des Life Balls für mehr als 400 Beschwerden.

Ganz oben auf der Beschwerdeliste stand auch 2015 wieder geschlechterdiskriminierende Werbung, gefolgt von Verstößen gegen Ethik und Moral. Beschwerden wegen Irreführung und Täuschung folgen auf Platz drei vor Verstößen gegen Gewalt und Gefährdung von Kindern und Jugendlichen. "Gerade im ländlichen Bereich werden Frauenkörper immer noch als Blickfang verwendet, oft aus Unwissenheit", sagt Werberat-Sprecherin Kati Förster. Aber auch größere Unternehmen mit professionellen Werbeagenturen würden mit Stereotypen spielen. Kika/Leiner etwa warben in einem Spot mit strippenden Männern, der mit einem Stopp belegt wurde. Ein Radiospot von Fiat wurde ebenfalls als diskriminieren eingestuft. Der Autohersteller wurde gerügt.

Die meisten Beschwerden betreffen Fernsehspots mit 46 Entscheidungen vor Plakaten mit 37, Internet mit 16 und Printanzeigen mit 11 entschiedenen Fällen. Als erfreulich sieht der Präsident des Werberates, Michael Straberger, den Umgang der Werbewirtschaft mit dem Thema Ethik. Der Branche sei bewusst, dass Verstöße die Marke beschädigen können. Immer mehr Unternehmen würden bei der ersten Kontaktaufnahme Sujets freiwillig zurücknehmen.

Werberat erweiterte nach umstrittenem Life-Ball-Plakat Kompetenzen

Das umstrittene Plakat des Life Balls 2014, das eine nackte Transgender-Person zeigte, hat beim Werberat eine Änderung der Verfahrensordnung ausgelöst. Der Werberat sieht sich bei Werbung, die ausschließlich den Kunstbereich betrifft, zwar weiter nicht zuständig, kann sich künftig aber distanzieren.

"Wir wollen nicht in die Kunstfreiheit eingreifen", betonte der Präsident des Werberats, Michael Straberger, am Montag in einer Pressekonferenz. Es gehe lediglich um das Schließen eines möglichen "Schlupflochs". Denn: Sollte ein Kunst-Sujet Produkte, Dienstleistungen, Unternehmen oder Veranstaltungen bewerben, die nicht ausschließlich dem Bereich Kunst zuzuordnen sind, ist der Werberat künftig schon zuständig.

Zusätzlich hat sich der Werberat die Möglichkeit geschaffen, bei Nichtzuständigkeit distanzierende Stellungnahmen abzugeben. "Bei dem Life-Ball-Plakat wäre dies im Rückblick wohl der Fall gewesen", so Straberger. Zu dem Transgender-Sujet für die Bewerbung einer Kunstausstellung von David La Chapelle, bei dem die Life-Ball-Organisation als Sponsor in Erscheinung trat, hatte es 2014 über 400 Beschwerden gegeben, der Werberat konnte sich aber aufgrund der eigenen Statuten nicht dazu äußern.

Änderung

Die Änderungen in der Verfahrensordnung, die bereits Anfang 2015 beschlossen, bisher aber noch nicht angewendet wurden, betreffen auch Werbung von politischen Parteien und Non-Profit-Organisationen, bei der der Werberat ebenfalls nicht zuständig ist. Auch hier kann sich der Werberat künftig distanzieren.

Bei Parteiwerbung ist eine Distanzierung allerdings unwahrscheinlich. Der Werberat hält sich hier zurück, um nicht von Parteien instrumentalisiert zu werden. 2010 hatte die FPÖ mit ihrem Wahlslogan "Mehr Mut für unser Wiener Blut" für eine Beschwerdeflut gesorgt. Im Wahljahr 2015 war es vergleichsweise ruhig, nur rund um die Wahl in Oberösterreich gab es laut Straberger vereinzelt Beschwerden. (ae, APA, 16.2.2016)

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