Bürochef der Washington Post vorübergehend festgenommen

16. Februar 2016, 14:46
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Nach Beschwerde über angebliche Provokation von Ausschreitungen

Jerusalem – Der Bürochef der US-Zeitung "Washington Post" in Jerusalem ist am Dienstag vorübergehend festgenommen worden. Ein Passant habe sich über William Booth und andere beschwert, teilte eine Sprecherin der israelischen Polizei mit. Diese hätten angeblich versucht, "eine provokative Situation mit Ausschreitungen junger Araber gegen Polizisten zu inszenieren".

Angesichts der Beschwerde habe die Polizei einige Verdächtige "auf sensible und diskrete Weise" in einer naheliegenden Polizeistation befragt. Nach Klärung der Situation seien sie wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Auf Fotos war zu sehen, wie der Journalist von Polizisten mit Schnellfeuergewehren abgeführt wurde. Eine Journalistin der "Washington Post" kritisierte den Vorfall auf Twitter scharf. "In einer Demokratie werden Journalisten, die ihren Job machen, schikaniert und der Hetze beschuldigt", schrieb Ruth Marks Eglash. Die Regierungspressestelle und das Außenministerium bedauerten die Festnahme. Möglicherweise sei ein "unglückliches Missverständnis" Auslöser der Aktion gewesen.

Israelische Parlamentarier bezichtigen ausländische Medien schon länger einer einseitigen und vorurteilsbeladenen Berichterstattung über ihr Land. Mitglieder des Ausschusses für Außenpolitik und Verteidigung trafen vor einer Woche Vertreter der Vereinigung der Auslandspresse, um die Vorwürfe darzulegen. Der Journalistenverband verurteilte die Vorladung allerdings als "Hexenjagd". (APA/dpa, 16.2.2016)

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