Flächenwachstum bei Einkaufszentren bremst sich ein

Ansichtssache18. Februar 2016, 09:00
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Entwickler und Betreiber von Shoppingcentern sind zunehmend auf Erweiterungen oder Abriss-Neubau-Projekte angewiesen

foto: apa/buchacher

50.000 Quadratmeter: So viele neuen Verkaufsflächen in österreichischen Shoppingcentern wurden bisher, über die letzten 20 Jahre betrachtet, jährlich im Durchschnitt neu eröffnet. Im Vorjahr waren es knapp 70.000 m², die meisten davon entstanden im erweiterten "Fischapark" in Wiener Neustadt (Bild; 21.000 m²), im "Citygate" in Wien-Floridsdorf (20.000 m²) und in der "Weberzeile" in Ried/Innkreis (22.000 m²).

Das Beratungsunternehmen RegioPlan, von dem diese Zahl stammt, nennt als bisherige Spitzen-Jahre 2010 und 2012 mit fast 100.000 bzw. mehr als 120.000 Quadratmetern an neuen Flächen. Damals (2012) wurde beispielsweise das "G3" in Gerasdorf nördlich von Wien eröffnet. Schon dazwischen gab es immer wieder Jahre mit sehr wenigen neuen Flächen, zuletzt 2013 mit nur 20.000 Quadratmetern.

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grafik: regiodata

Bei RegioPlan erkennt man nun aber für die kommenden drei bis vier Jahre einen Trend nach unten – zumindest wenn es um Shopping Malls mit mehr als 10.000 m² geht (denn nur diese wurden in obiger Grafik von RegioData Research erfasst). "Die angekündigten Projekte und Fertigstellungen werden signifikant weniger", heißt es in einer aktuellen Analyse. Für heuer werden zwar noch etwa 45.000 m² erwartet, danach sinkt die Flächenkurve für 2017 und 2018 aber deutlich ab.

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fotos: ses

Neu gebautes Huma in Wien öffnet am 3. März

Die meisten neuen Flächen des heurigen Jahres entstehen im neuen "Huma Eleven" in Wien-Simmering. Eröffnungstermin ist der 3. März. Zunächst werden etwas mehr als 30.000 m² mit 60 Shops eröffnet, 2017 sollen weitere 20.000 m² folgen. Von den dann entstandenen 50.000 m² an modernen Verkaufsflächen können allerdings nur 6.000 m² als wirkliche Neuflächen im Sinne obiger Grafik verstanden werden. Der alte Huma Einkaufspark, der sich an selbiger Stelle befand und 2014 abgerissen wurde, hatte nämlich auch schon 44.000 m² an Verkaufsfläche.

Die 60 Shops, die in Kürze hier neu bzw. wieder eröffnen, sind alle vermietet, berichtet Center-Manager Stephan Kalteis von Betreiber SES (Spar European Shopping Centers) dem STANDARD. Eigentümer ist die Münchner Jost-Hurler-Gruppe.

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visualisierung: traisenpark

Erweiterter Traisenpark sperrt am 17. März auf

Am 17. März wird beim Shoppingcenter Traisenpark im Norden St. Pöltens die jüngste Erweiterungsphase eröffnet. Laut Center-Managerin Anita Bräunlich werden an diesem Tag 15 neue Shops in Betrieb genommen, eine zweite Teileröffnung mit weiteren Shops folgt ein wenig später. Insgesamt wird das Center dann um 12.000 m² erweitert worden sein. Neue Flächen entstanden unter anderem in einer westlichen Erweiterung des Zentrums, wo eine bis dato als Parkplatz genutzte Fläche bebaut wurde.

Mit Spannung erwartet wird insbesondere das neue Ikea-Kompakt-Konzept, das mit einer sehr eingeschränkten Produktpalette auf rund 1800 Quadratmetern im Wesentlichen als Abhol- und Servicecenter fungiert.

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visualisierung: plus city pasching/renderwerk.at

Plus-City-Erweiterung ab April

Und wahrscheinlich im April – die Verantwortlichen halten sich noch bedeckt – dürfte dann auch eine 20.000 m² umfassende Erweiterung der Plus City in Pasching bei Linz eröffnet werden. Dazu gehört auch ein mehr als 25 Millionen Euro teures Megaplex-Kino samt Imax-Kinosaal. Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 3, die dann auch bei der Plus City hält, ist quasi fertig und wird am 26. Februar in Betrieb genommen werden.

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visualisierung: post ag

Weil die Politik mittlerweile aber in den meisten Bundesländern bei der Bewilligung neuer Einkaufszentren und in dem einen oder anderen Bundesland (Salzburg) auch bei der Bewilligung von Erweiterungen äußerst rigide vorgeht (was von Raumplanern meist sehr begrüßt wird), geht der Trend hin zu kleineren Nahversorgungszentren bzw. regionalen Versorgungszentren in gemischt genutzten Objekten.

In Wien-Landstraße wird etwa gerade an der neuen Post-Zentrale namens "Post am Rochus" gebaut. Angeschlossen wird ein kleines Einkaufszentrum mit rund 5.000 m², das von der Ekazent gemanagt wird. Geschäftsführer Kurt Schneider berichtet, dass die Hälfte der Flächen "in den nächsten zwei bis drei Monaten" vermietet sein werden.

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visualisierung: post ag

Bis Jahresende hofft er, auf 90 Prozent zu kommen. "Die Nachfrage ist sehr gut." Der Fokus wird hier auf Nahversorgung und Gastronomie gelegt.

Etwas größer ist zwar das ebenfalls von der Ekazent vermietete Einkaufszentrum im Projekt "Vio" auf den ehemaligen Kometgründen in Wien-Meidling angelegt, hier sollen 13.000 m² an Handelsflächen entstehen. Das Projekt steht aber in den Sternen, weil der Verwaltungsgerichtshof im November die Baugenehmigung aufhob.

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visualisierung: bai

Besser läuft es beim BAI-Projekt "Trienna" in der Eurogate-Erweiterung: Auch dort soll ein Nahversorgungszentrum mit Kurzfristbedarf und Gastronomie auf 6.000 m² entstehen. (mapu, 18.2.2016)

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