Hill traut Pöltl große NBA-Karriere zu

16. Februar 2016, 11:23
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Utah-Trainer loben Reife, Arbeitseinstellung und für Größe außergewöhnliche Fähigkeiten

Salt Lake City – Seine Trainer an der Universität von Utah trauen Österreichs Basketball-Hoffnung Jakob Pöltl eine große NBA-Karriere zu. "Ich habe das Gefühl, dass er immer erfolgreich sein wird", meint Andy Hill im Gespräch. Der Assistenzcoach gilt in den USA als Pöltls Entdecker. Auf ihn aufmerksam geworden ist er vor zweieinhalb Jahren bei der U18-B-EM in Mazedonien.

Es war der 18. Juli 2013 in der Sporthalle der Kleinstadt Strumica. Österreichs Junioren unterlagen den Niederlanden 45:65. Pöltls Talent sei hervorgestochen, erinnert sich Hill. Besonders habe ihn aber dessen Körpersprache beeindruckt. "Andere würden vielleicht den Kopf schütteln oder frustriert sein, aber er hat die Leute um ihn herum ermutigt. Er würde nie ein schlechter Teamkollege sein."

Diese Mentalität gepaart mit seiner Arbeitseinstellung könnte Pöltl in der NBA weit bringen. Und auch der Spielstil in der Profiliga – oftmals von Pässen der von diesen freigeblockten Spielmacher auf ihre Center geprägt ("Pick and roll") – komme ihm entgegen. "Diese gefühlvollen Hände und seine Beweglichkeit sind für einen 2,13-Meter-Mann außergewöhnlich", erklärte Hill. "Nur wenige Spieler auf der Welt haben sie."

Vergleiche mit Bogut

Entsprechend hoch steht Pöltl bei den NBA-Teams im Kurs. Für den Draft im Juni wird er als Top-10-Spieler gehandelt. Der Wiener könnte damit bereits im Herbst in der besten Liga der Welt debütieren. Körperlich müsse der 20-Jährige bis dahin noch ein bisschen zulegen, meinte Hill. "Aber wenn er noch einmal so einen Sprung macht wie im vergangenen Sommer, kann ich mir vorstellen, dass es sehr gut für ihn laufen wird."

In Salt Lake City wird Pöltl bereits mit dem Australier Andrew Bogut verglichen. Der Utah-Absolvent war 2005 als Nummer eins im Draft ausgewählt worden. Im Sommer wurde er mit den Golden State Warriors erstmals NBA-Champion. Hill: "Es ist ein natürlicher Vergleich. Beide sind bewegliche Große, die auf dem Feld auf und ab laufen können. Das ist speziell in der heutigen NBA sehr wichtig."

Auf dem weg in die Millionenliga werde Pöltl vor allem seine Reife helfen. "Er ist ein guter Bursche, der keine verrückten Dinge macht", erklärte Vertrauensmann Hill. "Die größte Anpassung ist der Lebensstil, wenn du 20 Jahre alt bist und plötzlich anfängst, eine Million Dollar zu verdienen. Ich glaube, jemand wie Jakob wird damit sehr gut umgehen. Er ist clever und bodenständig. Das wird ihn weit bringen."

Wille zur Weiterentwicklung

Ähnlich sieht es Cheftrainer Larry Krystkowiak, der selbst neun Jahre in der NBA gespielt hat. "Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es einfach ist. Es ist hart, aber ich würde darauf wetten, dass er erfolgreich ist." Neben Pöltls Intelligenz verwies Krystkowiak vor allem auf dessen Willen zur Weiterentwicklung. "Ich erwarte mir, dass er auch auf dem nächsten Level seine Schwächen erkennt und diese konsequent ausmerzt."

Allerdings warnte Krystkowiak auch vor den physischen Herausforderungen des Profigeschäfts. "Es ist ein bisschen, wie wenn man von einem Zug überfahren wird, wenn man das erste Mal loslegt." Der Coach wäre daran interessiert, Pöltl noch zwei weitere Jahre bei den Utes zu halten. Schon im Vorjahr hatte er ihn trotz NBA-Chance von der Sinnhaftigkeit einer Rückkehr ans College überzeugt. 2016 deutet aber alles auf Abschied hin.

Hill hatte seinem Chef den Österreicher 2013 ans Herz gelegt. Mit Pöltl selbst nahm der Assistenztrainer über Facebook Kontakt auf. "Wer Jakob kennt, weiß, dass er kein großer Handy-Typ ist. Manchmal war es gar nicht so einfach, ihn zu erreichen." Das Ausnahmetalent landete dennoch in Utah. Es soll nicht die letzte Station seiner Karriere in den USA gewesen sein.

"Ich war von Beginn an der Meinung, dass dieser Bursche irgendwann unglaublich sein wird", meinte sein US-Entdecker. "Diese Herangehensweise und diese Begabung, das hat nicht jeder." Utah will künftig verstärkt in Europa nach Talenten Ausschau halten – auch in Österreich. Hill: "Jakob hat viele Türen geöffnet. Viele sehen, welchen Erfolg er hat. Wir wären definitiv offen dafür, wieder einen Spieler wie ihn zu bekommen." (APA, 16.2.2016)

  • Basketball-Hoffnung Jakob Pöltl und Assistenztrainer Andy Hill im Trainingszentrum des College-Teams Utah Utes in Salt Lake City.
    foto: apa/haselmayer

    Basketball-Hoffnung Jakob Pöltl und Assistenztrainer Andy Hill im Trainingszentrum des College-Teams Utah Utes in Salt Lake City.

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