"Zeit"-Verlag steigerte vor Jubiläumsjahr die Erlöse

16. Februar 2016, 10:58
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Anstieg von 180 auf 183 Millionen Euro – Onlineredakteure kämpfen für bessere Bezahlung

Hamburg – Die Verlagsgruppe um die Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit" ist gestärkt in ihr Jubiläumsjahr gestartet. 2015 seien die Erlöse auf das Rekordniveau von 183 Millionen Euro gestiegen, nach 180 Millionen im Vorjahr, sagte Verlagsgeschäftsführer Rainer Esser der Deutschen Presse-Agentur. "Der Umsatz wäre sportlicher ausgefallen, wenn wir nicht eine Ausgabe weniger gehabt hätten."

Dadurch habe er sich um rund 2,5 Millionen Euro verringert. Zum Gewinn macht der Verlag traditionell keine Angaben – Esser sagte aber, dass dieser 2015 wegen hoher Investitionen unter dem Vorjahr gelegen sei. Die Wochenzeitung erschien erstmals am 21. Februar 1946.

Investiert wurde 2015 vor allem in den Ausbau der Redaktionen und der Verlagsangebote. Die Zahl der Mitarbeiter stieg um 67 auf rund 600. Mehr als 100 seien für "Zeit Online" tätig. Ein Bezahlmodell für das Internet, das es bisher nicht gibt, könne er sich mittelfristig vorstellen, sagte Esser. Denkbar sei auch, Online-Nutzer mit eingeschaltetem Werbeblocker künftig nicht mehr zu akzeptieren.

Ergänzung durch "Zeit Doktor" und "Zeit Geld"

Vom jüngsten Stellenzuwachs profitierte auch die Wochenzeitung. Sie lag Esser zufolge im vierten Quartal mit durchschnittlich 511.806 Exemplaren erneut über der wichtigen Marke von einer halben Million verkaufter Exemplare. Die Wochenzeitung wurde um zwei weitere Magazine ("Zeit Doktor"/"Zeit Geld") ergänzt, die mehrmals jährlich als Beilage erscheinen.

Auch die Zeit-Akademie – Selbststudium mit DVDs und Begleitbüchern zu wissenschaftlichen Themen – sei ausgebaut worden. "Wir sind ein kreatives Haus und setzen neue Ideen schnell um", sagte der Geschäftsführer zum Erfolgsrezept des Verlags, der auch Konferenzen organisiert, einen Online-Shop unterhält und Reisen anbietet.

"Zeit Magazin Hamburg"

Zwei Jahre nach dem Start des Hamburg-Teils der Wochenzeitung soll dieser ausgebaut werden. Der Verlagsgeschäftsführer kündigte als Beilage ein "Zeit Magazin Hamburg" an, das zweimal jährlich erscheinen soll. Damit solle die Hamburg-Ausgabe noch attraktiver auch für neue Leser werden. Die Verkaufsauflage liege in der Metropolregion derzeit bei rund 40.000 Exemplaren. Vor der Einführung des Extra-Teils waren es 33.000. Der im vergangenen November eingeführte kostenlose Newsletter "Elbvertiefung", der per E-Mail verschickt und unter anderem durch Anzeigen finanziert wird, habe 45.000 Bezieher.

Bei der "Langen Nacht" der "Zeit" am Samstag (20. Februar) in Hamburg – ein nahezu ausverkaufter Veranstaltungsmarathon zu politischen, kulturellen, wissenschaftlichen und Zeitgeist-Themen – wird Helmut Schmidt fehlen. Der deutsche Altbundeskanzler und langjährige Mitherausgeber der Wochenzeitung starb am 10. November 2015. Ob es neben Herausgeber Josef Joffe künftig wieder einen zweiten geben wird, konnte Esser nicht zu beantworten: "Das entscheiden die Gesellschafter. Es ist keiner 'ante portas'." Die "Zeit"-Verlagsgruppe gehört zu gleichen Teilen der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck und der Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH.

Streikdrohung wegen Print- und Onlinetarifen

Neben dem Erfolgsmeldungen stehen aber auch Streikdrohungen im Raum. Onlineredakteure kämpfen für bessere Bezahlung und wollen so viel verdienen wie ihre Printkollegen. Bisher würden die Onlineredakteure laut Betriebsrat im Schnitt rund 10.000 Euro im Jahr weniger bekommen, berichtet die "taz". Gegenüber der "taz" sagte eine Sprecherin, dass Zeit Online noch nicht profitabel sei und könne daher, um wettbewerbsfähig zu bleiben, keine entsprechenden Verträge ausgeben.

Die Geschäftsführung habe den Online-Redakteuren einen zweiten Entwurf für neue Verträge vorgelegt. Laut Gewerlscjaft Verdi bleibe aber auch dieser Entwurf weit hinter Forderungen zurück. (APA, dpa, red, 16.2.2016)

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