Wiener Ärzte fordern 300 neue Planstellen

16. Februar 2016, 09:54
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Verhandlungen mit der Kasse starten – Laut Kammer hält Ärzteangebot dem Bevölkerungswachstum nicht stand

Wien – Die Wiener Ärztekammer fordert 300 zusätzliche Kassenplanstellen für die Bundeshauptstadt: Mit diesem Ziel geht die Interessensvertretung heute, Dienstag, Nachmittag in die Verhandlungen mit der Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK). In der für drei Stunden anberaumten Sitzung fordert Kammer-Vizepräsident Johannes Steinhart eine "klare Entscheidung", wie er in einer Aussendung im Vorfeld unterstrich.

Laut Ärztekammer hält die Zahl der Kassenordinationen mit dem enormen Bevölkerungswachstum Wiens nicht mehr Schritt. Vor allem im niedergelassenen Bereich herrsche seit langem Handlungsbedarf: "Derzeit kommen auf einen niedergelassenen Allgemeinmediziner bereits 2447 Wienerinnen und Wiener – so viel wie nie zuvor", veranschaulichte Steinhart. Auch die Grippewelle habe die seit Jahren bekannten Versorgungsdefizite im Wiener Gesundheitssystem wieder an die Oberfläche gespült, hieß es.

"Hinhaltetaktik"

Die Kammer wirft der WGKK außerdem eine "verantwortungslose Hinhaltetaktik gegenüber Wiens Patienten" vor und appelliert, diese aufzugeben. Heute um 14 Uhr starten jedenfalls die Verhandlungen über die geforderten zusätzlichen Ordinationen zwischen der Kurie der niedergelassenen Ärzte der Wiener Ärztekammer und der Krankenkasse im sogenannten Invertragnahmeausschuss.

Laut dem bei der WGKK für Vertragspartnerverrechnung und -verhandlung zuständigen Direktor Andreas Obermaier ist diese Forderung beim heutigen Zusammentreffen "kein Thema".

Der für 14.00 Uhr angesetzte Invertragnahmeausschuss findet laut Obermaier routinemäßig alle zwei bis drei Monate statt. In diesen Sitzungen werde über einzelne Stellen in Wien entschieden: "Im Prinzip ist das Hauptthema der Treffen: Wird die Stelle nachbesetzt, wird sie in einen anderen Bezirk verlagert, wird sie möglicherweise umgewandelt – zum Beispiel von einem Lungenfacharzt in einen Augenarzt", sagte er im Gespräch mit der APA.

Er, Obermaier, sei seitens der WGKK Stimmführer in der Sitzung: "Da habe ich hinten und vorne keinen Auftrag und kein Pouvoir über 300 Stellen zu verhandeln." Es wäre außerdem nicht machbar bzw. rechtlich korrekt, in einem solchen Ausschuss über 300 Stellen zu verhandeln. Vielmehr handle es sich dabei um eine Frage der Menge der Stellen im Stellenplan: "Das sind Gesamtvertragsverhandlungen auf höchster Ebene, die aber heute nicht stattfinden."

Seiner Meinung nach handle es sich um ein "großes Missverständnis", das von der Ärztekammer hochstilisiert werde: "Warum die Ärztekammer jetzt sagt, heute wird über 300 Stellen verhandelt, ist für uns nicht nachvollziehbar." In Wien gebe es derzeit circa 1.500 Kassenstellen von Allgemein- oder Fachmedizinern. Die geforderten 300 zusätzlichen Ordinationen würden ein Plus von 20 Prozent bedeuten, rechnete der WGKK-Direktor weiter vor. Das stehe in keinem Verhältnis zum Bevölkerungswachstum von 2,4 Prozent im Vorjahr. "Das ist Zehntel von dem, was da an Stellenforderungen kommt. Das passt einfach nicht."

Die Gebietskrankenkasse werde jedenfalls beim heutigen Treffen mit den Ärztekammer-Vertretern darauf drängen, das 62 – seit Jahren – genehmigten, aber bisher nicht besetzte Posten zur Gruppenpraxenerweiterung oder -gründung endlich ausgeschrieben werden. "Unsere Forderung wäre, dass man bis zum Sommer mindestens die Hälfte ausschreibt. Wenn man die bis zum Juni ausgeschrieben hat, dann wird ein guter Teil im Herbst besetzt sein." Das reiche "für das Bevölkerungswachstum von mehreren Jahren", so Obermaier.

(APA, 16.2.2016)

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