"Bug Butcher" im Test: Österreichische Ungezieferjagd im Weltall

Video22. Februar 2016, 10:41
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Schön umgesetzter Arcade-Titel fordert dem Spieler viel Reaktionsvermögen und gute Nerven ab

Im Mai geht ein alter Bekannter, der Space Marine, wieder auf Dämonenjagd am Mars. Während Shooterfreunde dem Comeback von "Doom" schon entgegenfiebern, stellt sich freilich die Frage, mit welchem Spielefutter man sich bis dahin die Zeit vertreiben und die Reflexe schulen sollten.

In die Bresche springt hier die Indie-Schmiede Awfully Nice Studios, das aus einem tirolerisch-schweizerischen Duo besteht. In "The Bug Butcher" schicken sie einen Weltall-Kammerjäger in eine Raumstation, wo er Jagd auf allerlei extraterrestrisches Ungeziefer machen soll. Der GameStandard hat sich den Arcade-Titel näher angesehen.

Moderne "Pang"-Interpretation

Wenngleich der "Käferschlächter" konzeptuell doch etwas weit von einem Egoshooter entfernt ist, wird die Reaktionsfähigkeit des Spielers nicht minder gefordert. Denn die Gegner in den insgesamt 30 Levels, die durch eine einfache Handlung verknüpft sind, werden nicht nur immer mehr, sondern auch immer tückischer.

Das Game fußt dabei auf dem Spielprinzip eines echten Oldies. Der Urvater, bekannt unter dem Namen "Buster Bros." oder "Pang" stammt aus dem Jahr 1989 und kombiniert, vereinfacht ausgedrückt, das Spielprinzip von "Space Invaders" und "Asteroids". Wer die Vorlage ausprobieren möchte, findet eine im Browser spielbare Version im Internet Archive.

Upgrade-System

Der Spieler läuft am Boden links und rechts und beschießt seine Widersacher, die sich hüpfend oder entlang der Decke bewegen. Einige der Feinde zerspringen nach genügend Treffern ein bis mehrmals in kleinere Versionen ihrer selbst. Vorgabe ist es, alle der in Wellen in das Level einfallenden Gegner, zu eliminieren, bevor der Countdown ausgelaufen ist. Gesteuert wird am Controller oder der Tastatur mit zwei Richtungs- und drei Aktionstasten, was das Game sehr zugänglich macht.

"Bug Butcher" reichert den Klassiker mit zusätzlichen Mechanismen an. So gibt es etwa auch tödliche Gefahren in einigen Levels – etwa ein riesiger Hammer, der gelegentlich hinab schlägt – und zusätzlich zu Instant-Powerups und während des Kampfes bereitgestellten Spezialwaffen auch ein Upgradesystem.

Dieses ermöglicht die Aufwertung der Spielfigur selbst und auch der besagten Extra-Schießprügel. Gespeist wird es aus Münzen, die zerstörte Gegner fallen lassen und aufgesammelt werden können. Wer als einigermaßen geübter Gamer das Spiel auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad bewältigt, muss darauf nicht zurückgreifen. Für das Absolvieren auf "schwer" sind die Upgrades wiederum fast Pflicht, denn hier bedeutet eine Kollision mit einem Widersacher bereits das Aus und den Neustart des Levels.

Globaler Punktewettstreit

Neben der Upgrade-Währung errechnet das Spiel auch einen Score für jede absolvierte Herausforderung. Relevant sind hier vor allem die benötigte Zeit und Kombos, das kontinuierliche Landen von Treffern, bis man selbst erwischt wird oder zu viel Zeit zwischen zwei Hits verstreicht. Für jedes Level gibt es drei Ränge und einen Kombo-Award zu erreichen.

Viel wichtiger allerdings: Der Punktestand wird in eine globale Rangliste übertragen. Somit lässt sich hier mit Freunden um die Wette rittern. Neben den Missionen bietet "Bug Butcher" auch einen "Panic Mode", in dem es ausschließlich um die beste Punktezahl geht. Hier wird in einem frei wählbaren Level solange gespielt, bis der (über von Gegnern abgeworfenen Boni aufstockbare) Timer abläuft, oder der Ungezieferjäger das Zeitliche segnet. Der Modus kann auch zu zweit in Kooperation gespielt werden – leider aber nur gemeinsam auf einem Rechner. Ein LAN- oder Onlinemodus fehlt.

Kurzweiliger Adrenalinkick

Mit den Missionen ist man im mittleren Schwierigkeitsgrad über zwei bis drei Stunden oder länger beschäftigt und dabei sehr gut unterhalten. Der Schwierigkeitsgrad steigt meist angenehm langsam an, gleichzeitig erweckt der Titel in späteren Levels jene Mischung aus himmelschreiender Verzweiflung, unbändiger Wut und eisernem Willen, wie man sie von anderen berühmt-berüchtigten Indietiteln wie "Super Meat Boy" kennt.

Weil nicht nur die Gegner, sondern auch der Countdown immer ungnädiger werden, bleibt es vor allem im letzten Drittel des Games dem Spieler nicht erspart, die Abfolge der Gegner zu studieren und sein Vorgehen zu optimieren. Schafft man es dann doch, einen Abschnitt zwei Sekunden vor Zeitablauf leer zu schießen, sind euphorische Gefühle und ein möglicherweise ungesund hoher Puls die Folge. Bemängelt werden muss allerdings, dass das Erreichen des Ziels mitunter etwas Glück beim Auftauchen der Boni und Spezialwaffen voraussetzt.

Comic-Grafik und Elektrosound

Ästhetisch setzen die Entwickler bei "Bug Butcher" auf nett animierte Comicgrafik, die mitunter ein bißchen an die Werke des populären Zeichners Matthew Inman (vulgo "The Oatmeal") erinnern. Die Umsetzung darf als geglückt angesehen werden.

Akustisch wird der Spieler mit elektronischen, basslastigen Rhythmen konfrontiert. Die musikalische Untermalung ist, im Gegensatz zu den passend gestalteten Soundeffekten, bei bisherigen Rezensionen ein strittiger Punkt. Subjektiv gesehen wirkt die Musik zu Beginn etwas öde, fügt sich aber mit der Zeit immer besser ins hektische Spielgeschehen ein. Dann lassen sich die rhythmischen Abfolgen sogar als Timing-Hilfe bei der Navigation durch die Monsterhorden zweckentfremden.

wirspielen

Fazit

"The Bug Butcher" ist der erste Titel der Awfully Nice Studios und als solcher ein gelungener Einstand. Das Rad wird zwar nicht neu erfunden, es erhält aber ein nettes Upgrade mit aktueller Technik und zusätzlichen Spielmechanismen. Am mittleren Schwierigkeitsgrad ist man nach zwei bis drei Sessions durch die 30 Level durch, wer sich gerne in den globalen Wettbewerb stürzt oder sich im "harten" Modus versucht, kann aber noch einige Stunden mehr aus dem kurzweiligen Game kitzeln.

Geprägt ist das Spiel von seiner schnellen Zugänglichkeit und dem verspielten Grafikstil. Am Soundtrack ("Utz-Blip-Utz-Blip") scheiden sich etwas die Geister. Arcade-Freunde und ambitionierte Triggerfinger können bedenkenlos zugreifen. (Georg Pichler, 22.02.2015)

"The Bug Butcher" ist für Windows, OS X und Linux erschienen. UVP: 7,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster wurde vom Hersteller zur Verfügung gestellt.

Links

The Bug Butcher (Steam)

Awfully Nice Studios

Pang (Wikipedia)

Pang (Internet Archive)

  • "The Bug Butcher" ist für Windows, OS X und Linux erschienen.
    foto: the bug butcher

    "The Bug Butcher" ist für Windows, OS X und Linux erschienen.

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