Stahlindustrie: Die Musik spielt woanders

Kommentar15. Februar 2016, 18:16
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Die Probleme der europäischen Stahlbranche sind auch hausgemacht

Europas Stahlindustrie steht mit dem Rücken zur Wand: Es gibt Überkapazitäten in der EU. Dazu kommt die billige Konkurrenz aus China, von wo aus wegen der dortigen Überkapazitäten und der niedrigeren Löhne zu Billigpreisen nach Europa exportiert wird.

Außerdem hat die EU-Stahlindustrie die viel und heftig kritisierte Klimapolitik aus Brüssel zu schultern. Die Unternehmen müssen Verschmutzungs-(Co2-)Zertifikate zukaufen, um überhaupt produzieren zu dürfen. Natürlich ist dies ein Wettbewerbsnachteil gegenüber den Produzenten außerhalb der EU, die diese Umweltschutzmaßnahmen nicht tätigen müssen – auch wenn die Stahlwerke noch immer von generösen Gratiszertifikaten zehren.

Doch sind die Probleme der europäischen Stahlbranche auch hausgemacht. Die eigene Infrastruktur ist längst fertiggestellt und muss nur immer wieder erneuert oder ersetzt werden. Die Musik spielt da woanders: in den Schwellenländern, im Nahen Osten, wo es nach Kriegsende zu einem Wiederaufbau kommen wird – und wo Billiganbieter im Vorteil sind.

EU-Anbieter werden in diesem Problemgemenge schrumpfen und auf Qualität setzen müssen. Doch wäre eine gänzliche Abkehr fatal. Stahlherstellung hat eine Schlüsselstellung, will man Branchen wie Autoindustrie und Maschinenbau auf dem Alten Kontinent halten – und davon ist auszugehen. Da braucht es Stahl als Basis. (Johanna Ruzicka, 15.2.2016)

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