Abschiebeflüge: Chartern ganzer Maschinen "unüblich"

15. Februar 2016, 16:42
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Verteidigungsressort: Hercules sollen nicht Hauptlast bei Rückführungen tragen

Wien – Darüber sprechen die Airlines alles andere als gerne: Welche Summen sie der Republik für Abschiebeflüge in Rechnung stellen. Ein ziviler Luftfahrtexperte, der hier nicht genannt werden will, beziffert die Kosten für das Chartern einer Maschine in den Nahen Osten, die 150 Menschen an Bord hat und retour muss, mit rund 30.000 Euro, aber: "Es ist unüblich, dass gleich ein ganzes Flugzeug gechartert wird", verrät er.

Hercules: 11.800 Euro pro Flugstunde

Zum Vergleich: Die EU-Grenzschutzagentur Frontex, durch Schengen-Staaten finanziert, verrechnet Wien keine Mehrkosten. Eine Flugstunde mit der Hercules des Heeres, die maximal 92 Personen fassen kann, schlägt sich wiederum mit rund 11.800 Euro zu Buche.

Derzeit kalkulieren die Stäbe von Innen- und Verteidigungsressort durch, inwieweit Rückführungen von Asylwerbern mit negativem Bescheid auch mit den Transportflugzeugen des Militärs Sinn machen, wie von Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) anvisiert.

Liste mit sicheren Herkunftsländern erweitert

Angesichts des hohen Andrangs auch von Wirtschaftsmigranten plant die Koalition bis 2019 rund 50.000 Rückführungen in sichere Herkunftsländer, auch wenn mit vielen Staaten noch gar keine Rücknahmeabkommen bestehen. Auf Basis des letzten Asylgipfels will der Ministerrat am Dienstag deswegen die Liste sicherer Herkunftsländer erweitern. Hinzugefügt werden sollen Algerien, Georgien, Ghana, Marokko, Mongolei und Tunesien. Bisher zählten zu den sicheren Herkunftsländern – neben den Mitgliedsstaaten der Union – Australien, Island, Kanada, Liechtenstein, Neuseeland, Norwegen und die Schweiz, dazu wurden Bosnien und Herzegowina, der Kosovo, Kroatien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und Albanien als sicher qualifiziert.

90 Prozent der Abschiebungen per Luftweg

Im Vorjahr fanden 8365 Außerlandesbringungen statt, rund 40 Prozent zwangsweise, das Verhältnis von Rückführungen auf Luft- und Landweg betrug 90:10. Weil das Heer nur über drei Hercules verfügt, die von fünf Piloten und fünf Co-Piloten gesteuert werden, ist nicht daran gedacht, dass die Hercules die Hauptlast trägt, heißt es im Verteidigungsressort.

Kabelsalat muss abgedeckt werden

Auf 180 Flugstunden im Jahr müssen die Piloten kommen, damit ihre Einsatzfähigkeit gewährleistet bleibt, tatsächlich fliegen sie rund 250 pro Jahr. Für Abschiebeflüge müsste die Hercules etwas adaptiert werden: Der derzeit freie Zugang zum Piloten müsste mit einer Cockpit-Tür versehen, freiliegende Kabel abgedeckt werden. Für den Fall, dass es zu Tumulten kommt. (Nina Weißensteiner, 15. 2. 2016)

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