Wiener Stadtschulrat: Flüchtlingsklassen keine Dauerlösung

15. Februar 2016, 13:32
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Stadtschulratspräsident Czernohorszky und Heinisch-Hosek sehen keinen Kurswechsel in Umgang mit Flüchtlingskindern – ÖVP sieht sich bestätigt, Grüne halten Klassen als Notlösung für sinnvoll

Wien – Entgegen ursprünglichen Plänen sind an zehn Wiener Schulen Flüchtlingsklassen eingerichtet worden, berichtete das Ö1-"Morgenjournal" am Montag. Das sei aber "keine neue Politik", sagte Stadtschulratspräsident Jürgen Czernohorszky (SPÖ) dazu der APA. Mit der "pragmatischen Lösung" wolle man vermeiden, bestehende Klassen zu trennen. Als Dauerlösung seien die Flüchtlingsklassen nicht gedacht.

In Wien verfolge man den Anspruch, alle ankommenden Flüchtlingskinder möglichst unmittelbar an Schulen zu integrieren. Andere Bundesländer würden öfter warten, "bis der Aufenthalt verfestigt ist", so Czernohorszky. Wenn im Herbst die Klassen gebildet werden, könne man die Flüchtlingskinder aufteilen. Weil aber der Zuzug andauere und er nicht wolle, dass bestehende Klassen aufgrund einer Überschreitung der Schülerhöchstzahl getrennt werden müssen, "schaffen wir vorbereitend für die Schullaufbahn danach diese Klassen". Die Kinder sollen aber nicht diese "vorbereitenden Klassen" weiter besuchen.

Kinder werden im neuen Schuljahr verteilt

Auch Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) erklärte gegenüber der Mittagsausgabe der "Zeit im Bild", dass es sich hier um eine "Übergangslösung" handle. Einen Kurswechsel im Umgang mit Flüchtlingskindern gebe es nicht.

Laut Czernohorszky werden mit Beginn des neuen Schuljahrs die nun in Extraklassen unterrichteten Kinder wieder über Wien verteilt. Halte der Flüchtlingszustrom danach an, sei nicht auszuschließen, dass man sich wieder damit behelfen müsse. Der überwiegende Teil der bisher rund 2.000 in Wien angekommenen Flüchtlingskinder werde weiter in Regelklassen und zudem in "Neu in Wien"-Kursen unterrichtet, in denen der Schwerpunkt auf dem Erlernen von Deutsch liegt.

Blümel sieht Forderung umgesetzt

In Richtung des Finanzministeriums bemängelte Czernohorszky, dass das Geld aus dem insgesamt 75 Millionen Euro schweren Integrationstopf, von denen 24 Millionen bundesweit für Maßnahmen an Schulen vorgesehen sind, lange blockiert war. Wenn es solche Verschiebungen während eines Schuljahres gebe, könne man nicht bei der Berechnung der Aufwände von einer fixen Größe im Herbst ausgehen. "Diese Erkenntnis ist so beim Finanzministerium noch nicht angekommen. Da muss sich das Finanzministerium bewegen und ich erwarte mir hier viel von den Finanzausgleichsverhandlungen", sagte der Stadtschulratspräsident. In Wien habe man sich auf 100 zusätzliche Stellen für Unterstützungspersonal ab den kommenden Schuljahr geeinigt.

Diese brauche es bereits jetzt, erklärte der Wiener ÖVP-Chef Gernot Blümel in einer Aussendung, in der er auch die ÖVP-Forderung nach "Vorbereitungsklassen für nicht Deutsch sprechende Kinder" wiederholte. Angesichts der nunmehr zehn Flüchtlingsklassen in Wien zeige sich, dass diese Forderung "nun auch umgesetzt wird", so Blümel.

Für den grünen Bildungssprecher Harald Walser ist die Einrichtung von Flüchtlingsklassen in Wien "als Einstiegsmaßnahme unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll". Es müsse jedoch klar sein, "dass diese Klassen nicht als Notlösung zu führen sind, sondern mit einem Konzept, das die Kinder auf den möglichst raschen Übertritt in die Regelklassen optimal vorbereitet". (APA, 15.2.2016)

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