Krankenkassen machten 2015 ein Defizit von 21,5 Millionen Euro

15. Februar 2016, 12:15
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Größtes Minus in Wien: 45,6 Millionen Euro

Wien – Die Krankenkassen haben im Vorjahr ein Defizit von 21,5 Millionen Euro gemacht. Der Abgang ist damit deutlich geringer als ursprünglich prognostiziert – zu Jahresbeginn hatte man noch mit einem Minus von 129 Millionen Euro gerechnet. Im Voranschlag für heuer wird ein Defizit von 94 Millionen Euro prognostiziert. Das Jahr 2014 hatten die Krankenkassen noch mit einem Plus von 88 Millionen Euro abgeschlossen.

Nach dem am Montag vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger veröffentlichten vorläufigen Gebarungsergebnis haben im Vorjahr von den neun Gebietskrankenkassen nur zwei positiv abgeschlossen – jene in Kärnten machte ein Plus von 5,6 Millionen Euro und jene in Salzburg von 3,3 Millionen Euro. Mit den GKKs im Burgenland und der Steiermark schafften weitere zwei ein ausgeglichenes Ergebnis, die fünf anderen mussten ein Minus verbuchen – das Größte die Wiener mit 45,6 Millionen Euro. Unter den Berufskrankenkassen machte nur jene der öffentliche Bediensteten mit 19,3 Millionen Euro ein Defizit.

Medikamentenkosten weniger stark gestiegen als erwartet

Deutlich schlechter sind die Erwartungen für heuer. Insgesamt wird ein Verlust von 93,6 Millionen Euro vorhergesagt. Als einzige Gebietskrankenkasse prognostiziert die Salzburger mit 5,2 Millionen Euro ein positives Ergebnis. Die steirische rechnet mit einem ausgeglichenen Ergebnis, die sieben anderen mit einem Minus. Unter den Berufskrankenkassen erwartet nur noch die SVA der Bauern mit 47,5 Millionen Euro ein positives Ergebnis.

Dass der Abgang 2015 weniger deutlich als im Voranschlag vorhergesagt ausgefallen ist, geht u. a. auf die Medikamentenkosten zurück. Hier hatte man ursprünglich noch mit einem Anstieg um 6,6 Prozent gerechnet, tatsächlich wurden es nun 5,4 Prozent. Damit liegt man allerdings immer noch über der Steigerung der Beitragseinnahmen, die um 3,7 Prozent zulegten. Für heuer erwartet der Hauptverband ein weiteres Einbremsen bei der Steigerung der Medikamentenkosten auf 4,9 Prozent. Mitverantwortlich dafür ist auch der zwischen Hauptverband und Pharmawirtschaft abgeschlossene Vertrag zur Kostenbegrenzung, womit die Pharmawirtschaft heuer 125 Millionen Euro an die Krankenversicherungsträger zahlt. 2017 und 2018 sollen zehn Millionen Euro pro Prozentpunkt Kostensteigerung gezahlt werden, maximal jedoch 80 Millionen Euro pro Jahr.

Rabmer-Koller: Geld soll Leistung folgen

Für die Vorstandsvorsitzende im Hauptverband der Sozialversicherungsträger, Ulrike Rabmer-Koller, ist bei den Krankenkassen zwar ein "leichter Aufwärtstrend" erkennbar, die Lage bleibe aber "mehr als angespannt". In einer Aussendung verlangte sie, im neuen Finanzausgleich die geplante Verlagerung von Leistungen in den niedergelassenen Bereich zu berücksichtigen.

Mit der Umsetzung der Gesundheitsreform sollen die stationären Spitalsaufenthalte reduziert und mehr Leistungen aus dem stationären in den niedergelassenen Bereich verlagert werden. Das heißt aber auch, dass auf die soziale Krankenversicherung steigende Kosten für die medizinische Versorgung zukommen. Die Prognose für das Jahr 2016 bilden diese Entwicklung bereits ab und zeigen einen erneuten Anstieg des Defizits auf 94 Millionen Euro. Für Rabmer-Koller ist deshalb klar: "Geld muss Leistung folgen. Wir brauchen eine faire Verteilung der Mittel zwischen Bund, Ländern und der Sozialversicherung. Die laufenden Verhandlungen über den Finanzausgleich müssen diese Leistungsverlagerung entsprechend berücksichtigen." (APA, 15.2.2016)

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