Alfred Bodenheimer: Alte Schriften und ein Mord

15. Februar 2016, 11:08
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"Der Messias kommt nicht" ermöglicht Einblicke in eine andere Glaubenswelt und in die Untiefen unredlicher Wissenschaft

Rabbi Klein aus Zürich freut sich auf sein Sabbatical. Er soll eine Disputation zwischen einem Christen und einem Juden, verfasst von Sebastian Münster, ins Deutsche übersetzten. Der Gelehrte ist 1552 in Basel gestorben, die Schrift handelt von den unterschiedlichen Konzepten des Messias. Ist er schon da, wann kommt er? Oder ist er – nach Maimonides – ein intellektueller Zustand?

Was erst wie eine Gedankenspinnerei wirkt, erweist sich als gar nicht so abseitig. Aber Klein findet an der Uni Basel keine Ruhe für seine Studien. Er wird von der jüdischen Gemeinde als Schlichter für interne Streitigkeiten beansprucht. Als ein Mitglied der Gemeinde erschossen wird, lässt sich Klein von der Polizei widerwillig einspannen, sich in der Community umzuhören.

Ein kompakter Text, der Einblicke in eine andere Glaubenswelt sowie in die Untiefen unredlicher Wissenschaft ermöglicht und eine für einen Krimi bemerkenswerte Gelassenheit verbreitet. Alfred Bodenheimers Rabbi Klein wird gewiss nicht zum letzten Mal ermitteln. (Ingeborg Sperl, Album, 15.2.2016)

  • Alfred Bodenheimer, "Der Messias kommt nicht". € 20,50 / 208 Seiten. Verlag Nagel &Kimche,  Zürich 2016
    cover: verlag nagel &kimche

    Alfred Bodenheimer, "Der Messias kommt nicht". € 20,50 / 208 Seiten. Verlag Nagel &Kimche, Zürich 2016

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