Daniele Gatti und Renaud Capuçon: Verdichtete Schönheit

14. Februar 2016, 16:59
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Dirigent Gatti und Violinist Capuçon im Musikverein

Wien – Verinnerlichung und Konzentration: Man sieht es Renaud Capuçon auch dann an, wenn er gerade nicht spielt, wie sehr er sich in die Musik versenkt. Es gibt bei ihm keine überflüssige Bewegung, keine kommunikative Geste in Richtung Publikum, nur das Spiel selbst.

Felix Mendelssohn Bartholdys oft gehörtes Violinkonzert rückte der Geiger mit apollinischer Klarheit in die Sphäre makelloser Klassizität und sorgte dabei für unausgesetzte Spannung. Sein durchdringend-inniger Ton würde bei anderen süßlich, vielleicht sogar aufgesetzt wirken. Bei Capuçon passt er zu allem, was er tut: zu seiner schnörkellosen Interpretation, die mit dem Eigenen scheinbar vollkommen zurückhaltend umgeht und doch das Eigenste – nenne man es Intensität, Tiefe, Empfindung oder Ausdruck – so grenzenlos einbringt.

Bei einer der Lieblingszugaben des Geigers war das nochmals in Reinkultur zu erleben, als Capuçon Christoph Willibald Glucks Reigen seliger Geister in der Bearbeitung von Fritz Kreiser, reine Melodie ohne jede Begleitung, zelebrierte: als nicht enden wollenden Gesang, sowohl atmosphärisch ungemein dicht als auch nochmals eine Demonstration der Wunder seiner Klanggebung mit ihren nahtlosen Phrasen und dem satten Legato, kurz: reiner, verdichteter Schönheit.

War es ein dramaturgischer Witz, den Auftritt dieses Solisten mit denkbar extrovertierten Werken zu umgeben, Hector Berlioz' Ouvertüre Le Carnaval Romain sowie Ottorino Respighis Fontane di Roma und Pini die Roma? Wie dem auch sei: Das Orchestre National de France unter seinem scheidenden Chefdirigenten Daniele Gatti ist seinerseits ein Luxusinstrument von blendendem, hochglanzpoliertem Sound: Gatti spielte begeistert, begeisternd und virtuos auf der Klaviatur der Orchestereffekte. Langer Jubel.

Heute, 15. 2., dirigiert Gatti das Orchestre National de France mit Felix Mendelssohn Bartholdys Elias. (daen, 15.2.2016)

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