Sprache und Gleichstellung: Die weibliche Form schadet nicht

Kommentar14. Februar 2016, 12:00
506 Postings

Warum der Vorstoß der Klagenfurter Grünen die Häme nicht verdient hat

Im Vorfeld des Valentinstags hat eine Meldung für Aufregung gesorgt: Die Grünen in Klagenfurt haben beschlossen, alle Mitglieder mit der weiblichen Geschlechtsform zu bezeichnen. Effekt: Von den rund 1.400 Postings waren rund 1.300 voller Häme.

Die Aktion hat aber dieses Lächerlichmachen nicht verdient, weil sie aufzeigt, dass die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in Österreich auch 2016 noch immer ein großes Minenfeld ist. Postings wie dieses

sind ein Beleg dafür, wie schwer sich Männer mit dem Gedanken tun, beispielsweise Berufsbezeichnungen, die vielfach in der maskulinen Form gebraucht werden, in eine feminine umzudrehen. Man muss diese Umkehrung auch nicht per se gut finden, weil sie genauso fehlerhaft ist, aber die Aufregung darüber ist ein Beweis für die sture Einseitigkeit der männlichen Betrachtungsweise.

Der Vorstoß der Grünen belegt, wie breit "Gleichberechtigung" definiert sein kann. Die Reaktionen darauf zeigen, wie männlich bestimmt die Deutungshoheit ist. Jene Gleichstellung zwischen Mann und Frau, die Wiens ÖVP-Chef Gernot Blümel von Schulkindern gerne als Schwurfomel aufgesagt hätte, während sich gerade seine Partei sehr schwer damit tut, hat noch immer starken Nachjustierungsbedarf.

Heute gibt es jedenfalls Blumen für die Frauen, die viele nicht in der Bundeshymne haben wollen. Für alle Lehrerinnen, die gerne pauschal als Lehrer bezeichnet werden und auch für alle Friseure, die eigentlich Friseurinnen sind. (Rainer Schüller, 14.2.2015)

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