Truppen für Syrien: Gemischte Reaktionen auf türkische Ankündigung

13. Februar 2016, 15:52
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Nato-Generäle: Lage könnte sich beruhigen oder zum totalen Konflikt führen

Die Generalität aus Nato- wie aus Nicht-Natoländern ist bei der Sicherheitskonferenz in München in Kompaniestärke vertreten. Und wo immer die Militärs an diesem Samstag im Bayerischen Hof zusammenstehen, sprechen sie über die Ankündigung der Türkei, möglicherweise Bodentruppen ins syrische Krisengebiet schicken zu wollen.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu diktierte genau das nach seiner Rückkehr aus München zwei türkischen Zeitungsreporten in den Block: "Wenn es eine Strategie (gegen den IS) gibt, könnten die Türkei und Saudi-Arabien einen Einsatz am Boden starten". Zuvor hatte Saudi-Arabien dem US-amerikanischen Verteidigungsminister Carter Ash versprochen, sich mit Spezialkräften an einer Mission in dem Bürgerkriegsland zu beteiligen.

Möglicher Flugzeugeinsatz

Cavusoglu kündigte in dem Interview auch an, dass Saudi-Arabien Kampfflugzeuge für den Einsatz gegen den IS zum türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik entsenden werde. Saudi-arabische Regierungsvertreter hätten den Stützpunkt bereits inspiziert. Wie viele Flugzeuge Riad dort stationieren werde, sei aber noch unklar.

Ein Nato-General, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, erklärte dazu, dass dies nur folgerichtig sei: "Die Türken warten auf die Waffenruhe und werden dann den an ihre Grenze anliegenden Raum sichern. Das hat im wesentlichen zwei Gründe: Die Flüchtlinge dort sollen geschützt werden. Und vor allem: Sie sollen in Syrien gehalten werden, denn dort sind sie intern Vertriebene, für die die Regierung in Damaskus zuständig ist. In der Türkei sind sie Flüchtlinge, für die Ankara verantwortlich wäre." Das sei eine vernünftige Strategie. Große Gefahren sieht der Militär dabei nicht.

Ein Kollege aus einem anderen Land des Nordatlantikpaktes ist völlig konträrer Ansicht: "Unsere Einschätzung ist, dass eine solche Intervention, den Konflikt noch vergrößern und völlig außer Kontrolle geraten lassen würde. Wir wissen nicht, was in den Kurdengebieten passieren würde. Wir wissen nicht, wie die anderen Regionalmächte reagieren würden." Allerdings geht er davon aus, dass die Ankündigung vorerst womöglich nur ein "Bluff" sei – "die Türken versuchen damit, den Preis hinaufzutreiben, den die Europäer zahlen sollen, damit keine Flüchtlinge mehr durchkommen." (Christoph Prantner, 13.2.2016)

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