EBU-Chefin: Politischer Einfluss auf Rundfunk nimmt zu

12. Februar 2016, 16:58
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Medienmanagerin Ingrid Deltenre: Regierungen in Polen, Ungarn, Griechenland und Israel wollen "politischen Einfluss sichern"

Wien – Eine Tendenz zu stärkerer politischer Einmischung auf öffentlich-rechtliches Fernsehen sieht die Generaldirektorin der European Broadcasting Union (EBU) bei einem Hintergrundgespräch in Wien. Regierungen in Polen, Ungarn, Griechenland und Israel gehe es letztendlich darum, "politischen Einfluss zu sichern". Was in Polen passiere, sei "schon recht ungewöhnlich", sagte Deltenre. Die Geschwindigkeit, in der man Mediengesetze vorlegen möchte und mit der man wichtige Journalisten aus Fernsehen und Radio entfernt hat, das hat es so in den letzten Jahrzehnten nicht gegeben", meinte Deltenre. "Wir schauen nicht weg, wir diskutieren, und wir versuchen das beste."

Medienberichte, wonach die EBU gefordert haben soll, Polen als Mitglied der EBU zu sperren, wies Deltenre zurück. Man sei falsch zitiert worden. "Die Statuten der EBU würden einen Ausschluss nicht erlauben", sagte Deltenre.

Kernaufgaben

73 Mitglieder zählt die EBU, die meisten davon sind öffentlich-rechtliche Sender. 950 Sender strahlen aus. Produziert werden insgesamt mehr als 1000 Programme in etwas mehr als 120 Sprachen. Zu den Kernaufgaben gehören der Austausch von News-Videos und anderen Programmangeboten, die Akquisition von Sportrechten, die Veranstaltung des Eurovision Song Contest sowie medienpolitisches Lobbying. Die EBU erzielt laut Deltenre einen Jahresumsatz von rund 31 Millionen Euro (34 Millionen Schweizer Franken).

Kerngeschäft der EBU ist laut Deltenre auch die Interessensvertretung in der Frage der Verteilung der Frequenzen. "Da halten wir gut mit, obwohl der Druck der Mobilfunkindustrie groß ist", sagt Deltenre. Dank Lobbying sei gesichert, dass wesentliche Frequenzbänder auch weiterhin zur Verfügung stünden.

"Spiel ohne Grenzen"

Mit dem ORF arbeitet die EBU eng beim Neujahrs- und Schönbrunnkonzert zusammen. Wichtigstes Unterhaltungsprogramm ist der Eurovision Song Contest. Deltenre bestätigt darüber hinaus Pläne für mehr länderübergreifende Kooperationen: Eine Show im Stil von "Spiel ohne Grenzen", die in den 1960er- und 70er-Jahren recht beliebt war und bis 1999 auf 30 Sendungen kam, ehe sie dem Sparstift zum Opfer fiel. Seither gibt es immer wieder Ankündigungen für eine Rückkehr der Show.

Die EBU-Generaldirektorin war auf Einladung von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in Wien, der Donnerstagabend als "Medienmanager des Jahres" vom Branchnblatt "Journalist" geehrt wurde. Deltenre hielt die Laudatio und gab nebenbei eine Wahlempfehlung für Wrabetz ab. (prie, APA, 12.20.2016)

  • EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre war auf Besuch in Wien.
    foto: robert newald

    EBU-Generaldirektorin Ingrid Deltenre war auf Besuch in Wien.

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