EU: Antibiotika-Resistenzen nehmen zu

12. Februar 2016, 15:59
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Resistenzraten von bis zu 70 Prozent müssen dringend zurückgedrängt werden, weil bei Erkrankungen Behandlungsmöglichkeiten fehlen

"Jedes Jahr sterben in der EU rund 25.000 Menschen durch bakterielle Infektionen, die durch resistente Keime hervorgerufen worden sind. Diese Gefahr ist aber nicht auf Europa beschränkt, sondern ein globales Problem, das globale Lösungen verlangt", sagt EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis.

Die Resistenzraten von Bakterien gegen Antibiotika in der EU nehmen weiter zu. Das hat ein neuer Bericht des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und der Europäischen Behörde für Ernährungssicherheit ergeben.

Am häufigsten rufen Campylobacter-Keime – speziell von Geflügel, anderem Fleisch und daraus hergestellten Produkten – Infektionen über Nahrungsmittel hervor. In Masthühnern wurden beispielsweise Resistenzraten gegen das Breitbandantibiotikum Ciprofloxacin (ein Fluorchinolon) von knapp 70 Prozent beobachtet. In Proben von Menschen fanden sich zu bis zu 60 Prozent dagegen resistente Keime.

Die Campylobacter-Problematik ist relativ schwierig in den Griff zubekommen. Gegen Salmonellen gibt es für Tiere eine Impfung, gegen Campylobacter hingegen noch nicht. Campylobacter ist zusätzlich auch ein Keim, der bei Geflügel natürlich im Darm vorkommt. Da wären Bestrahlung oder das Besprühen mit Chlorlösung die einzige absolut sicher funktionierende Lösung. Deshalb sollte alles daran gesetzt werden, Resistenzen zurückzudrängen, weil sonst bei Erkrankungen Behandlungsmöglichkeiten fehlen könnten.

Multiresistente Bakterien

Bei den Salmonellosen wurden bei Patienten Resistenzraten von um die 30 Prozent gegen Tetrazykline, Sulfonamide und Ampicillin festgestellt. Ähnlich war das bei Proben von Geflügel. Auch multiresistente Salmonellen-Bakterien waren mit einer Häufigkeit von etwa einem Viertel bei Patienten und bis zu 30 Prozent bei Masthühnern und Truthähnen hoch.

Ein Problem könnten in Zukunft auch erstmals festgestellte Resistenzen bei E. coli-Bakterien gegen das Antibiotikum Colistin darstellen. Fällt dieseTherapiemöglichkeit aus, gibt es gegen solche Infektionen wenige sonstwirksame Medikamente. Das gilt auch für Salmonellen und E. coli-Bakterien, welche nicht mehr auf Cephalosporine der dritten Generation und auf die ehemals speziell wirksamen Carbapeneme ansprechen. (APA, 12.2.2016)

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