Pompadour im Elysée

12. Februar 2016, 15:35
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Warum musste die Kulturministerin Fleur Pellerin den Hut nehmen? In Paris wird gemunkelt, sie habe sich mit der Geliebten von Präsident Hollande nicht verstanden.

François Hollande ist stolz auf die Geschlechterparität seiner Regierung. Auch seine neue, 38-köpfige Equipe besteht aus exakt 19 Frauen. Viele von ihnen haben allerdings das Gefühl, bloße Manövriermasse zu sein. Umweltministerin Ségolène Royal, die in den Präsidentschaftswahlen 2007 knapp gegen Nicolas Sarkozy gescheitert war, wollte nun Außenministerin werden; der Präsident – ihr ehemaliger Lebenspartner – zog ihr aber Jean-Marc Ayrault vor, der fachlich nicht besser qualifiziert ist.

Erbost ist auch Marylise Lebranchu, Ministerin der Staatsverwaltung. Sie wurde von Hollande per Anruf abgesetzt. "Er sagte mir, er müsse Jean-Michel Baylet in die Regierung holen", erzählte die altgediente und erfahrene Politikerin.

Kulturministerin brach in Tränen aus

Die junge Kulturministerin Fleur Pellerin war sich noch nicht an die rauen Regierungssitten gewöhnt: Sie brach in Tränen aus und verlor fast das Bewusstsein, als sie erfuhr, dass sie ihr Büro räumen müsse. Die aus Südkorea stammende Eliteschulabsolventin war mitten in der Ausarbeitung eines wichtigen Kulturgesetzes und rechnete keineswegs mit einer Entlassung: Hollande hatte ihr noch vor kurzem ein Jobkompliment gemacht, und auch mit Premier Manuel Valls verstand sie sich bestens.

Laut Eingeweihten hatte Hollandes Partnerin, die Schauspielerin Julie Gayet, Pellerins Abgang orchestriert. "Gayet konnte sie nicht ausstehen. Das ist eine Geschichte von Kurtisanen", meinte ein Mitarbeiter der abgehalfterten Ministerin in Pariser Medien, die ziehen Vergleiche mit der Marquise von Pompadour, der offiziellen Geliebten von Ludwig XV.; andere nennen Gayet "Kulturministerin Nummer zwei des Präsidenten".

Filmexpertin und Kulturberaterin

Gayet, die sich größter Diskretion befleißigt, was ihre Beziehung zu Hollande anbelangt, soll ihren Einfluss geltend gemacht haben, dass ihre persönliche Freundin Audrey Azoulay Kulturministerin wurde. Diese Filmexpertin, deren Vater den König von Marokko berät, war bisher schon Kulturberaterin im Elysée-Palast. Sie soll Hollande im Flugzeug kennengelernt und "charmiert" haben, wie sich das Onlineportal Planet ausdrückt.

Mehrere Ex-Ministerinnen drückten am Freitag ihre Solidarität mit Pellerin aus. "Wenigstens ihr fehlt es nicht an Eleganz", twitterte Marie-Arlette Carlotti, Mitglied einer früheren Hollande-Regierung.

Dass französische Spitzenpolitiker eher rüde mit weiblichen Untergebenen umgehen, hatte schon Ex-Premier Alain Juppé bewiesen, als er seine so genannten "Juppettes" – ein Dutzend weibliche Ministerinnen – 1995 nach wenigen Monaten aus der Regierung warf. Präsident Nicolas Sarkozy ließ seine Regierungsvertreterinnen Rachida Dati, Rama Yade oder Fadela Amara nach 2007 auf ähnliche Weise fallen, als sie nicht mehr in sein politisches Kalkül passten. (Stefan Brändle aus Paris, 12.2.2016)

  • Ex-Kulturministerin Fleur Pellerin mit Präsident François Hollande
    foto: apa/afp/jacques witt

    Ex-Kulturministerin Fleur Pellerin mit Präsident François Hollande

  • Die neue Kulturministerin Audrey Azoulay bei der Amtsübergabe
    foto: apa/afp/lionel bonaventure

    Die neue Kulturministerin Audrey Azoulay bei der Amtsübergabe

  • Julie Gayet soll für Pellerins Absetzung verantwortlich sein
    foto: reuters/gonzalo fuentes

    Julie Gayet soll für Pellerins Absetzung verantwortlich sein

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