Fahrdienstleiter setzte vor Zugunglück in Bayern zwei Notrufe ab

12. Februar 2016, 14:00
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Das berichtet "Der Spiegel" am Freitag – Erster Notruf soll Lokführer noch vor Kollision erreicht haben

Bad Aibling – Bei der Suche nach der Ursache des Zugunglücks bei Bad Aibling können die Ermittler nun auch auf die dritte Blackbox zurückgreifen. Allerdings ist der am Freitag entdeckte Datenspeicher laut Polizei beschädigt. Die Bergungsarbeiten sollen auch am Wochenende noch andauern. Der "Spiegel" berichtete unterdessen, dass ein Fahrdienstleiter kurz vor dem Unglück die Züge noch per Notruf stoppen wollte.

Bei den schweren Unglück in Oberbayern waren am Dienstag zwei Regionalzüge auf einer eingleisigem Strecke frontal zusammengeprallt. Elf Menschen kamen ums Leben, Dutzende Passagiere wurden zum Teil schwer verletzt.

Am Freitag wurde nun bei den Bergungsarbeiten die dritte Blackbox gefunden, von der sich die Ermittler weitere Erkenntnisse erhoffen. Trotz ihrer Beschädigung habe der Versuch der Auslesung von Daten begonnen, teilte das deutsche Verkehrsministerium mit. Die beiden anderen Boxen waren bereits gefunden und ausgewertet worden.

Die Datenspeicherkassette des aus Kolbermoor kommenden Zuges erbrachte nach Angaben des Ministeriums keine Hinweise auf eine Missachtung von Signalen. Die zweite Kassette, die aus dem hinteren Triebwagen des aus der Gegenrichtung kommenden Zuges stammt, ließ demnach keine Erkenntnisse über das Verhalten des Lokführers zu. Die dritte Blackbox kommt aus dem vorderen Triebwagen dieses Zuges.

Unmittelbar vor dem Unglück setzte laut einem "Spiegel"-Bericht ein Fahrdienstleiter im Stellwerk von Bad Aibling kurz hintereinander zwei Notrufe an die Züge ab. Der erste Notruf erreichte die Lokführer demnach vermutlich kurz vor der Kollision, der zweite sei offenbar erst erfolgt, als sich die Züge bereits ineinander verkeilt hätten. Die Polizei wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Im Zuge der Ermittlungen werden nun laut Verkehrsministerium auch die Zugfunkgespräche ausgewertet. Außerdem werden die im Stellwerk registrierten und dokumentierten Bedienhandlungen mit den Aufzeichnungen der Blackboxes abgeglichen.

Die Aufräumarbeiten auf der eingleisigen Strecke kommen unterdessen voran. Die zwei Triebwagen wurden voneinander getrennt, noch im Laufe des Freitags sollen sämtliche Großteile abtransportiert werden, am Samstag kleinere Trümmer. Wann die Strecke wieder geöffnet wird, ist noch unklar. Nach den Bergungsarbeiten müssen noch Gleise und Oberleitungen instand gesetzt werden. (APA, 12.2.2016)

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