Republik Österreich erwirbt Hans-Hollein-Nachlass

12. Februar 2016, 13:55
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Als Sammlungskooperation im MAK und Architekturzentrum Wien angesiedelt – Kunstpreis für Architektur ins Leben gerufen

Wien – Die Republik Österreich hat umfangreiche Aktivitäten in die Wege geleitet, um an den 2014 verstorbenen Architekten Hans Hollein zu erinnern. Einerseits wurde der Nachlass erworben, der in Kooperation vom MAK und dem Architekturzentrum Wien (Az W) aufgearbeitet wird. Andererseits werden Research Stipendien sowie ein Kunstpreis für Architektur vergeben. Insgesamt nimmt man 700.000 Euro in die Hand.

"Hans Hollein war ein Visionär, wie es ganz wenige gibt", betonte Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ) am Freitag in einer Pressekonferenz. Grundsätzlich sei es zwar nicht üblich, dass die Republik Nachlässe erwerbe. In diesem Fall sei die Frage aber "relativ leicht zu beantworten" gewesen. Hollein habe nicht nur als Architekt, sondern auch als Designer, Theoretiker, Lehrender und in vielen anderen Funktionen weltweites Renommee erworben. Zudem habe es international "beträchtliches Interesse" am Nachlass des Pritzker-Preisträgers gegeben.

Jahrhundertwerk

Für die Sammlungskooperation wurden dem MAK nun 250.000 Euro zur Verfügung gestellt, um den Ankauf zu tätigen. Weitere 120.000 Euro werden für die Digitalisierung aufgewendet und die Aufarbeitung selbst, die vom Az W durchgeführt wird, ist vorerst mit jährlich 100.000 Euro auf drei Jahre dotiert. Wie lange man letztlich dafür benötigen werden, lasse sich allerdings noch nicht abschätzen.

"Der Nachlass umfasst 400 Europaletten", verdeutlichte Az W-Direktor Dietmar Steiner den Umfang. Das sei etwa das Zehnfache von sonst üblichen Mengen. "Hollein hat ein Jahrhundertwerk geschaffen, also wird auch die Aufarbeitung eine Jahrhundertaufgabe sein."

Dass es nicht ganz so lange dauern wird, hofft jedenfalls die Tochter des Architekten, Lilli Hollein. "Wir sind in diesem Archiv aufgewachsen. Es handelt sich um das Lebenswerk meines Vaters. Dementsprechend ist heute ein großer und freudiger Tag." Die schiere Menge der Entwürfe, Modelle, Korrespondenzen und weiteren Schriften zeigt auch das Vertragswerk, das MAK-Direktor Christoph Thun-Hohenstein zur Pressekonferenz mitgebracht hat: zwei schwere gebundene Bücher. "Aber nicht, weil es so schwierige Verhandlungen waren, sondern weil die Werkliste so lang ist", unterstrich er. Die nächste große Hollein-Ausstellung plant das Haus innerhalb der kommenden fünf bis sechs Jahre.

Erstmals Kunstpreis für Architektur

Erstmals ausgelobt wird auch ein Österreichischer Kunstpreis für Architektur. "Auf diesen Weg wollen wir das Andenken und die große Bedeutung Holleins bewahren und betonen", so Ostermayer. Wie die weiteren Preise werde auch dieser mit 12.000 Euro dotiert sein. "Wir überlegen aber, ob wir die Kunstpreise vielleicht eine Spur anheben", erklärte der Kulturminister. Ab 2016/17 sind zudem jährlich zwei Forschungsstipendien vorgesehen, die auf sechs Monate angelegt und mit jeweils 6.600 Euro dotiert sind.

Der Nachlass wird nun im Az W-Depot in Wöllersdorf gelagert und wissenschaftlich bearbeitet. "Wir stehen noch ein wenig unter dem materiellen Schock", schmunzelte Steiner. Um überhaupt alle Objekte unterzubringen, wurde das Depot auch erweitert.

Für Steiner ist der Auftakt zur Hollein-Bearbeitung jedenfalls einer der letzten Höhepunkte in seiner Funktion als Az W-Chef, geht er doch mit Ende des Jahres in Pension. Kommenden Mittwoch wird ein Nachfolger präsentiert. Mit der Entscheidung des Vorstands zeigte sich Steiner gegenüber der APA "sehr zufrieden": "Ich würde mir wünschen, dass einige andere Personalentscheidungen in Österreich auch so gut ablaufen würden." (APA, 12.2.2015)

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