Presserat rügte "Heute" wegen Novomatic-Werbestrecke

12. Februar 2016, 12:36
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Beilage "35 Jahre Novomatic" nicht ausreichend als Anzeige erkennbar – Verstoß gegen Ehrenkodex für die österreichische Presse

Wien/Gumpoldskirchen – Der Presserat sieht in einer Novomatic-Werbestrecke in der Gratistageszeitung "Heute" einen Verstoß gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse. Die zehnseitige Beilage "35 Jahre Novomatic" vom Juli 2015, erschienen im "Heute MagazIN", sei für die Leser nicht ausreichend als Anzeige erkennbar, teilte der Verein zur Selbstkontrolle im Mediensektor am Freitag mit.

Die Werbestrecke des niederösterreichischen Glücksspielkonzerns sei per Klammerung in das Magazin integriert und unterscheide sich weder im Schriftbild noch auf sonstige Weise von der restlichen Aufmachung der Ausgabe. Lediglich die römische Seitennummerierung weiche vom Rest des Heftes, dazu gab es in kleiner Schrift die Kennzeichnung "Bezahlte Beilage".

"Anschein von Objektivität erweckt"

"Offenbar wurde hier bewusst der Anschein von Objektivität erweckt und der Eindruck vermittelt, dass es sich um unabhängig recherchierte journalistische Beiträge handelt", so die Rüge des Presserats. Dies treffe insbesondere auf das "Interview" mit dem Novomatic-Vorstand zu und widerspreche dem journalistischen Ehrenkodex. Laut diesem muss es Lesern möglich sein, zwischen (bezahlter) Werbung und redaktionellen Beiträgen zu unterscheiden.

"Heute" wurde aufgefordert, die Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. Davon ist aber nicht auszugehen, das Boulevardblatt gehört dem Presserat nicht an. Die Medieninhaberin hat laut Presserat auch von der Möglichkeit, an dem Verfahren teilzunehmen, keinen Gebrauch gemacht. Der Presserat, dem die wichtigsten Journalisten- und Verlegerverbände angehören, hat das Verfahren auf eigene Initiative durchgeführt.

Bereits im April 2015 hatte der Presserat "Heute" wegen eines ähnlichen Falls ermahnt. Die Zeitung druckte damals Interviews mit den Chefs von "easybank", "Novomatic" und "T-Mobile" ab. Zusätzlich zu den ausschließlich positiven Interviews gab es auf der jeweils gegenüberliegenden Seite ganzseitige Inserate der drei Unternehmen. Der Presserat bewerte die Interviews als "Gefälligkeitsinterviews". (APA, 12.2.2016)

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