Einkaufszentren: Je größer und neuer, desto kinderfreundlicher

16. Februar 2016, 07:09
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Für Einkaufszentren wird es immer wichtiger, ihre Aufenthaltsqualität zu steigern – etwa, indem Kinderbetreuung angeboten wird

Kinder können ihren Sommer im Feriencamp hier verbringen, einmal monatlich gratis ins Kasperltheater gehen oder gleich ihre Geburtstagsparty hier feiern: Shoppingcenter bieten zunehmend mehr als das bloße Einkaufen – auch, um sich gegen den Onlinehandel behaupten zu können.

"Ein immer wichtiger werdendes Thema ist dabei die Kinderversorgung", sagt Walter Wölfler von CBRE zum Standard. "Child-friendly options" sind laut CBRE-Umfrage immerhin 23 Prozent der Befragten wichtig, in Europa, Afrika und dem Nahen Osten sind es sogar 31 Prozent.

Kindertoiletten im Angebot

Das fange beispielsweise schon bei den Toiletten in den Shoppingtempeln an: Diese müssten zwar nicht "Luxus" sein, aber funktional und praktisch für Eltern, die mit ihren Kindern unterwegs sind – etwa, indem sie mitsamt ihrem Kinderwagen in die Kabine passen. Manche Shoppingcenter – etwa das G3 in Gerasdorf oder der Europark in Salzburg – haben eigene Kindertoiletten im Angebot.

Noch ein Punkt, der noch immer nicht Standard ist, sind ausreichend Wickeltische – und zwar auch in den Männertoiletten. Stillräume haben viele Einkaufszentren mittlerweile im Angebot, teilweise mit Flaschenwärmern und Mikrowellen zum Aufwärmen der Babynahrung.

Aber auch eigene Kinderbereiche und eine Kinderbetreuung werden in Zukunft wichtiger, glaubt Wölfler: Im Ausland, etwa im asiatischen Raum, sei man in dem Bereich schon viel weiter. Die Eltern könnten dann beispielsweise gemeinsam essen, während sie am Kinderspielplatz ihre Sprösslinge im Blick haben.

Ein solches Konzept wurde beispielsweise in einem von CBRE gemanagten Shoppingcenter umgesetzt: Diagonal Mar, einem 87.000 Quadratmeter großen Einkaufszentrum in Barcelona. Dort können Kinder auf einem großzügigen – in knalligem Pink und Grün gehaltenen – Abenteuerspielplatz herumturnen. Dieser sei "ziemlich teuer" gewesen, so Wölfler, aber dafür eben nicht "nullachtfünfzehn" – und sei mittlerweile ein Alleinstellungsmerkmal des Einkaufszentrums in der spanischen Metropole geworden.

Party in der Mall

Einige solche Vorzeigeprojekte gibt es laut Hannes Lindner vom Beratungsunternehmen Standort + Markt auch in Österreich bereits: den – schon erwähnten – Europark in Salzburg etwa, der über einen Wickel- und Stillraum, Kinder-WCs, Kinderbetreuung und eine große Spielelandschaft verfügt. Das werde grundsätzlich gerne angenommen: "Bei kleineren Malls ist das aber schwierig", so der Experte. "Denn die Kosten müssen die Mieter tragen."

Bei der SES, die in Österreich unter anderem den Europark, den Fischapark in Wiener Neustadt und das neu gebaute huma eleven (siehe Kurzmeldungen) betreibt, werde Kinderbetreuung allgemein großgeschrieben, betont Pressesprecherin Claudia Streitwieser-Schinagl.

In nahezu allen Centern würden Kindererlebniswelten betrieben, in sechs davon unter der Eigenmarke "Planet Lollipop". Dort wurden laut Unternehmensangaben 2014 über 132.000 kleine Besucher gezählt und im Vorjahr über 2000 Kindergeburtstagspartys ausgerichtet. (Franziska Zoidl, 16.2.2016)

  • Schauplatz Diagonal Mar, Barcelona: Der Abenteuerspielplatz wurde zum Alleinstellungsmerkmal des Centers.
    foto: cbre

    Schauplatz Diagonal Mar, Barcelona: Der Abenteuerspielplatz wurde zum Alleinstellungsmerkmal des Centers.

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