Studie: Gewaltspiele haben kaum Einfluss auf Kinder

12. Februar 2016, 12:25
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Britische Forscher finden nur schwachen Zusammenhang zwischen Spielekonsum und Verhaltensstörungen

Die Debatte um die Auswirkungen von gewalthaltigen Videospielen auf junge Nutzer ist eine sehr alte. Schon über "Doom" und Co wurde in dieser Hinsicht hitzig diskutiert, lange bevor die deutsche Politik den Begriff "Killerspiele" zuerst für Paintball erfand und nach einem Amoklauf in Erfurt im Jahre 2002 auch auf Unterhaltungssoftware münzte.

Spätestens seit diesem Zeitpunkt streiten Experten, Kommentatoren und Politiker darum, ob und wie sich brutale Spiele auf Kinder und Teenager auswirken. Auch zahlreiche Forschungsergebnisse wurden vorgelegt, doch kaum welche beobachteten die Entwicklung über längere Zeiträume. Diese Lücke füllt nun eine neue Studie aus Großbritannien.

1.815 Probanden

Ihre Ergebnisse, die im Journal Plos One veröffentlicht wurden, deuten auf sehr wenig Einfluss solcher Spiele auf die psychische Entwicklung. Untersucht wurde, ob derlei Games ihre Konsumenten über die Jahre depressiv machen oder antisoziale Verhaltensstörungen auslösen können.

Es wurden dabei zwei Befragungen durchgeführt. Beim ersten Termin waren alle 1.815 Teilnehmer zwischen acht und neun Jahren alt. Im Alter von 15 Jahren stellten sie sich der zweiten Untersuchung. Die drei Gruppen spielten entweder gar keine Videospiele (141 Personen), primär Games, die als "Puzzlespiele" klassifiziert wurden (858) oder Games mit höherem Gewaltanteil, bezeichnet als "Shoot-em-ups" (816). Dazu erhob man Faktoren wie familiäre Vorbelastung bei Erkrankungen wie Depression oder Schizophrenie sowie Religiosität und Bildungsgrad der Mütter.

Erhöhtes Risiko für Verhaltensstörungen

Zwischen gewalthaltigen Spielen und Verhaltensstörungen konnten die Forscher auf Basis der Ergebnisse nur einen schwachen Zusammenhang feststellen. Die Wahrscheinlichkeit, so erklären sie in einem Artikel im Guardian, liege um 19 Prozent höher, als bei anderen Gruppen – allerdings bezogen auf ein sehr niedriges absolutes Risiko. Insgesamt wurde bei 26 Teilnehmern (1,4 Prozent aller Probanden) eine solche Störung diagnostiziert. Zwischen Shooter-Games und der Ausbildung von Depressionen unterschiedlichen Grades ergab sich überhaupt kein auffälliger Konnex

Zusätzlich wurden auch bestimmte Teilnehmergruppen analysiert, nämlich jene, die bevorzugt Shooter spielten und jene, die als Vorliebe kompetitive Games wie Renn- und Sportspiele angaben. Dabei konnte nicht ausgeschlossen werden, dass das erhöhte Risiko auf den Wettbewerbsfaktor zurückzuführen sei.

Kaum Gefahr durch Spiele

"Unsere Resultate legen nahe, dass der Konsum von Spielen mit eher gewalttätigen Inhalten in der Kindheit nur schwach mit einem erhöhten Risiko zu Verhaltensstörungen im späten Jugendalter in Verbindung zu bringen ist", so die Conclusio des Papers.

Allerdings betont man, dass die Klassifizierung der Spiele über Genres nicht ideal sei und man in zukünftigen Forschungen unter anderem genauer auf bestimmte Aspekte der jeweiligen Spielinhalte und den Kontext, unter denen sie gespielt würden, achten sollte.

Andere Erkenntnisse

Es handelt sich dabei nicht um die erste Forschungsarbeit, die auf derlei Ergebnisse kommt. Erst im vergangenen April ergab eine Studie der Oxford University, dass ein negativer Einfluss brutaler Videogames auf das Verhalten junger Kinder nicht wahrscheinlicher sei, als der anderer Spiele.

2014 kam eine US-Langzeitstudie zum Schluss, dass zwischen jugendlicher Gewalt und brutalen Spielen kein Zusammenhang anzunehmen sei. In einer aktuellen Arbeit erklären Wissenschaftler der Universität Amsterdam, dass Gewalt in Medien nur Jugendliche beeinflusse, die bereits in einem aggressiven sozialen Umfeld aufwachsen. (gpi, 12.02.2016)

  • Die absolute Wahrscheinlichkeit einer Verhaltensstörung im Jugendalter erhöht sich durch Spiele mit Gewaltinhalten nur geringfügig, so die britischen Forscher.
    foto: gears of war

    Die absolute Wahrscheinlichkeit einer Verhaltensstörung im Jugendalter erhöht sich durch Spiele mit Gewaltinhalten nur geringfügig, so die britischen Forscher.

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