Gegen Hetzer und Streithähne: Forscher zeigen, wie man Facebook-Streit gewinnt

12. Februar 2016, 11:17
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US-Wissenschafter haben über zwei Jahre lang Onlinediskussionen untersucht

Tippen, bis die Tastatur oder die Freundschaft bricht. Der Umgangston in sozialen Medien ist rauer geworden. Besonders das Thema Flüchtlinge hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Onlinestreitereien vom Zaun brechen lassen. Aber auch andere Diskussionen werden auf Facebook und Co oft erbittert und untergriffig geführt – seien es Raucher vs. Nichtraucher, Fleischesser vs. Veganer oder feministische und Genderthemen. Forscher haben nun untersucht, wie man sich bei Onlinediskussionen am besten verhält, um sein Gegenüber zu überzeugen. Die Tipps, die man daraus ableiten kann, lassen sich auch gegen Hassposter und Trolle einsetzen.

18.000 Threads analysiert

Die Forscher der Cornell-Universität in New York haben über 18.000 Threads auf dem Subreddit r/changemyview untersucht. Dort kann man seine Ansichten zu einem bestimmten Thema posten und andere Nutzer auffordern, mit ihren Argumenten dagegenzuhalten. Jene Beiträge, die es geschafft haben, die eigene Überzeugung tatsächlich zu beeinflussen, werden markiert.

Über zwei Jahre haben sich die Wissenschafter durch diese Postings gewühlt und daraus nun mehrere Schlussfolgerungen gezogen, wie die "Washington Post" berichtet.

  • So ist es besser, sofort zu antworten, als sich länger dafür Zeit zu lassen.
  • In Gruppen fällt die Argumentation leichter. Wer andere Personen an seiner Seite hat, wirkt überzeugender.
  • Mehr Kommentare sind kontraproduktiv. Nach drei oder vier Postings lassen sich Nutzer schlechter überzeugen, und man sollte eingestehen, dass noch längere Debatten sinnlos sind.
  • Argumente sollten mit Fakten belegt werden. Die Forscher empfehlen Links auf seriöse Websites.
  • Man sollte Diskussionspartnern nicht vorhalten, was sie früher gesagt haben. Das komme eher als Wortklauberei rüber und mache nur noch wütender.
  • Man sollte versuchen, selbst nicht zu emotional zu werden und bei einem sachlichen Tonfall zu bleiben.
  • Antworten sollten ausführlicher verfasst sein, als lediglich kurz zu widersprechen.
  • Man sollte versuchen, ein Thema von einer anderen Seite zu beleuchten und Punkte zu bringen, die der "Gegner" selbst nicht eingebracht hat.

Eher in wenigen Fällen möglich

Allerdings sollte man mit diesen Tipps nicht erwarten, ab sofort sämtliche Diskussionen umdrehen zu können. Denn laut den Forschern ist es bei ihren Untersuchungen in 70 Prozent der Fälle nicht gelungen, jemanden von seiner ursprünglichen Argumentation abzubringen.

Aber auch wenn die Aussicht, das Gegenüber vom eigenen Standpunkt zu überzeugen, gering ist, kann es nicht schaden, anhand der Tipps zu versuchen, Onlinediskussionen zu versachlichen. So gelingt es vielleicht, den Ton in sozialen Medien wieder etwas zu entschärfen. (red, 12.2.2016)

  • Forscher geben Tipps, wie man Streithanseln in sozialen Medien begegnen sollte.
    foto: apa/dpa/fredrik von erichsen

    Forscher geben Tipps, wie man Streithanseln in sozialen Medien begegnen sollte.

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