"Sonny Boys": Das späte Tête-à-Tête zweier Witzereißer

11. Februar 2016, 17:34
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Eine Zukunft, in der Stermann & Grissemann sich getrennt haben, ist möglich, aber nicht lustig. Das Stück "Sonny Boys" im Rabenhof-Theater entwirft eine solche – und leitet auch gleich die Wiedervereinigung ein

Wien – Ein Burka-Witz, der dem anno 2016 eingesetzten muslimischen Unterhaltungschef des ORF mißfiel, bedeutete das Ende. Das Komikerduo Stermann und Grissemann flog raus und trennte sich. Elf Jahre später – die Heiligen Drei Könige (!) haben dankenswerterweise die Jahreszahl auf die Tür geschrieben – sitzt Grissemann, gebeutelt zwischen Größenwahn und besserem Wissen, im selbstgewählten Exil irgendwo an der U6. Das iPhone ist bei Nummer 36 angelangt, bei ihm ist nur der Grant gewachsen. Auf Otto Schenk etwa, der gerade seinen Hundertsten feiert und "doch nur geboren wurde, um gehasst zu werden".

Dass eine Zukunft ohne das Duo Dirk Stermann und Christoph Grissemann zwar möglich, aber wohl sinnlos und sicher nicht so lustig ist, ist nun das treibende Credo des Stücks Sonny Boys, das am Mittwoch im Rabenhof-Theater Premiere feierte. Es handelt sich um eine Adaption des gleichnamigen und mehrfach verfilmten Broadwaystücks aus dem Jahr 1977, einer Geschichte über zwei abgehalfterte Komiker, die trotz aller Antipathie füreinander noch einmal ihren "größten Erfolg" zusammen aufführen sollen.

foto: udo leitner
Es geht nicht ohne und nicht miteinander: Christoph Grissemann und Dirk Stermann müssen sich im Stück "Sonny Boys" zusammenraufen.

Im Falle von Stermann und Grissemann ist das just "Die deutsche Kochshow", jener aus der TV-Sendung Willkommen Österreich bekannte Sketch, bei dem Nazigebärden und Schaukochen miteinander vermengt werden – Stichwort: "Wollt ihr das totaaale Endsieb?" Gezeigt werden soll er in der Sendung 35 Jahre Lachen in Österreich, moderiert von keinem Geringeren als – Achtung! – Peter Rapp.

Bei der Premiere trat selbiger auch gleich persönlich auf, in den weiteren Aufführungen wird er eingespielt wie Matthias Hartmann. Ja, richtig gelesen. Der Ex-Burgtheaterdirektor gibt (nicht ohne die Pointe: "Es ist verdammt hart, Mann!") den überforderten Regisseur jener Fernsehshow, die immerhin die Kinder des Jahres 2027 retten könnte. Denn: "Wie soll die Jugend aufwachsen, ohne 'Die deutsche Kochshow' gesehen zu haben?" Eben.

Der Reiz der Neuinszenierung – Regie führte Rabenhof-Chef Thomas Gratzer – liegt freilich darin, wie hier die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit zum Verschwimmen gebracht werden. Wobei man vielleicht noch eher von "Wirklichkeit" in Anführungszeichen sprechen sollte, angesichts von Figuren, die vor allem aus dem Fernsehen bekannt sind. Am meisten Distanz zur Rolle scheint jedenfalls Magda Kropiunig als Cousine Grissemanns und Vermittlerin zwischen dem Choleriker und dem "Deutschen!" zu haben.

theaterrabenhof

Im Laufe rund zweier Stunden wird der Plot des Originals in erster Linie zum Trägermedium für Spitzen gegen die Gegenwart. Betroffen ist vor allem das überschaubare Biotop der Fernseh- und Unterhaltungsbranche. Rants gibt es gegen Michael Niavarani ("Ein persischer Schlachthaus-Shakespeare!"), Josef Hader ("Hader muss weg, aber diesmal wirklich!"), Roland Düringer sowieso ("Die Kugerln!"). Tagesaktuell etwa die Pointe, dass der Opernball zuletzt doch vom Duo Stenzel und Weichselbraun moderiert worden sei – also aus beiden anno 2027 nicht viel geworden sein dürfte.

Herzergreifendes Ende

Geradezu ans Herz geht das Ende einer vergnüglichen, nicht allzu tiefschürfenden Produktion. Ein Moment des Friedens stellt sich nämlich ausgerechnet beim Dialog "Schlaf gut!" – "Du auch!" – "Ich liebe dich" – "Du auch" ein. Also jenen Worten, mit denen das Duo einst die Radiosendung Salon Helga allwöchentlich abmoderierte. Der leichte Schauder, der einen befällt, wenn dann auch noch der dazugehörige Schlager Tornero ertönt, rührt nicht zuletzt daher, dass Salon Helga ausgerechnet jene Sendung ist, die nicht zu unrecht als einer der tatsächlichen "größten Erfolge" des Duos gilt. (Roman Gerold, 11.2.2016)

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