Netzwerker der Nächstenliebe klopfen an

11. Februar 2016, 17:29
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Caritas Steiermark startet mit 4.000 Helfern Haussammlung "Gemma höffn" – Küberl: "Nicht zulassen, dass Not gegen Not ausgespielt wird"

Graz – Hausammlungen in Zeiten der großen Flüchtlingsbewegungen und der extremen Polarisierung in der Gesellschaft stellt man sich nicht gerade einfach vor. Doch der steirische Caritas-Direktor Franz Küberl und der Pfarrer der Grazer Pfarre St. Andrä, Hermann Glettler, gaben sich am Donnerstag unerschrocken, als sie die Eckdaten zur Caritas Haussammlung 2016 präsentierten.

Schon der Name der Aktion – "Gemma höffn" – soll signalisieren, dass man auch auf einheimische Bedürftige nicht vergessenen will, und das auch nie hat: "Die Caritas lässt sich nicht auseinanderdividieren und wird nicht zulassen, dass Not gegen Not ausgespielt wird. Es geht darum, dort zu helfen, wo Not entsteht – und das kann jeden treffen", betonte Küberl beim gemeinsamen Pressegespräch mit Glettler, das im Pfarrsaal von St. Andrä stattfand, wo sich gerade wie immer Flüchtlingsfamilien und auch bedürftige Grazer zum gemeinsamen Kaffee trafen.

"Einladung zur Solidarität"

Die Fastenzeit, so Küberl, sei ein "Aufruf an uns, sich mit dem Fundament des Lebens zu beschäftigen" und eine "Einladung zur Solidarität" mit allen, die unsere Hilfe brauchen. Der Caritas-Direktor hielt auch einmal mehr ein Plädoyer für die bedarfsorientierte Mindestsicherung. Sie sei für viele Menschen die einzige Chance, nicht obdachlos zu werden. Aufgrund mehrerer Fallbeispiele beschrieb Küberl wie Menschen, die einst Berufen wie dem einer Bibliothekarin oder Sozialhelferin nachgingen, durch Schicksalsschläge und Langzeitarbeitslosigkeit fast alles verloren haben. Sie kamen aber unter anderem durch Mittel aus den Haussammlungen wieder auf die Beine.

Angenehme Überraschung

In den Monaten Februar und März werden rund 4.000 Helfer an Wohnungstüren klopfen, um zu sammeln. Hermann Glettler erklärt, dass man in seiner Pfarre, die im Bezirk Gries liegt, wo viele Menschen mit Migrationshintergrund und sozialen Problemen leben, jahrzehntelang gar nicht sammeln ging. Vor drei Jahren wagte man es dann aber doch – und war angenehm überrascht. Sein Tipp für andere Pfarren: "Man kann ja mit einigen Straßen beginnen und im nächsten Jahr in andere Straßen gehen." Die Sammler seien "Netzwerker der Nächstenliebe", so Küberl, man werde natürlich auch die Bewohner der besuchten Haushalte fragen, ob sie selbst Hilfe bräuchten.

Im Vorjahr wurden bei der Haussammlung insgesamt mehr als 920.000 Euro gespendet. (Colette M. Schmidt, 11.2.2016)

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