ATV-Chef Gastinger zu Doku-Soap: Keine Parteinahme für Lugner

Interview11. Februar 2016, 16:13
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"Wer die Lugner-Sendungen kennt, der weiß, dass das keine Wahlwerbung wird", sagt er nach Kritik an der Sendung "Die Lugners: Mörtel for Präsident?"

Wien – ATV-Geschäftsführung Martin Gastinger weist im APA-Interview Kritik an der Bevorzugung des Bundespräsidentschaftsbewerbers Richard Lugner zurück. Der Sender bringt im Hauptabendprogramm die vierteilige Doku-Soap "Die Lugners: Mörtel for Präsident?". Von Parteinahme könne keine Rede sein, erklärte Gastinger. Es gehe um Unterhaltung und nicht um Information. Lugner leiste auch keine Zahlungen für die Doku-Soap.

APA: Warum wird dem Bundespräsidentschaftsbewerber Richard Lugner so viel Sendezeit auf ATV eingeräumt?

Gastinger: ATV begleitet Richard Lugner nicht beim Bundespräsidentschaftswahlkampf, sondern beim Sammeln der 6.000 Unterstützungserklärungen. Erst, wenn er diese Hürde bis zum Stichtag am 18. März überwindet, wird er tatsächlich Kandidat dieser Wahl sein. Ab diesem Zeitpunkt übergibt das Team der ATV-Unterhaltung an das Team der ATV-Information. Ab dann wird Lugner von der Nachrichtenredaktion genauso behandelt wie alle anderen Kandidaten. Davor zeigen wir unseren Mörtel wie er leibt und lebt ... und eben darum wirbt, antreten zu dürfen. Wer die Lugner-Sendungen kennt, der weiß, dass das keine Wahlwerbung wird.

APA: Wird ATV anderen Kandidaten auch so viel Raum im Hauptabendprogramm geben?

Gastinger: Lugner ist seit über 10 Jahren mit seiner Soap im ATV-Programm zu finden. Wir schmeißen diesen unfassbaren Entertainer doch nicht aus dem Programm, nur weil er sich entschieden hat, die Politik aufzumischen. Das wäre ja absurd. Wenn uns einer der anderen Kandidaten so viel Einblick in sein Privatleben gewährt, wie Lugner und Spatzi es tun, nur her damit.

APA: ATV ist ein Privatsender und darf natürlich mehr, aber ist das nicht klare Parteinahme für einen Kandidaten?

Gastinger: Wenn Sie mich fragen, ob ich bei Lugner parteiisch bin, dann sage ich klar JA! Der Mann ist ein Unterhaltungskünstler. Wenn Sie mich aber fragen, ob das meinen Blick auf die anderen Kandidaten ernsthaft verändert, sage ich natürlich NEIN. Ich bin überzeugt, dass das mündige wahlberechtigte Publikum die Grenze zwischen Unterhaltung und politischer Meinungsbildung erkennt. Sehen Sie es gerne als Satire – die darf ja bekanntlich alles.

APA: Warum läuft die Lugner-Doku-Soap im Hauptabend, während die ernsthaften Interviews mit den Präsidentschaftskandidaten im Rahmen von "Klartext" ins Mitternachtsprogramm verbannt werden?

Gastinger: Bei Entscheidungen in der Programmplanung geht es darum, den richtigen Sendeplatz für die richtige Zielgruppe zu finden.

APA: Zahlen die Lugners irgendwelche Produktionskostenzuschüsse oder Werbehonorare für die Doku-Soap?

Gastinger: Nein und Lugner hat auch keinerlei Einfluss auf die Art seiner Darstellung. Wer unsere Lugner-Sendungen kennt, weiß, dass die keine Werbung sind.

APA: Setzt der Sender mit dieser Programminitiative nicht sein Image im Info-Bereich aufs Spiel?

Gastinger: Der Infobereich leistet hervorragende Arbeit und wird alle Kandidaten – sobald diese feststehen – gleich kritisch behandeln. Am guten Image der Nachrichtenredaktion ist nicht zu rütteln, das hält auch einen Lugner aus. Die Qualität unserer Nachrichtensendungen bestätigen die hervorragenden Quoten und die RTR mit ihrer Qualitätsstudie. Der Info-Bereich wurde alleine letztes Jahr für "Klartext – mit Martin Thür" mit zwei Preisen ausgezeichnet. ATV kann nun mal beides: Info und Unterhaltung. (Johannes Bruckenberger, APA, 11.2.2016)

  • "Die Lugners: Mörtel for Präsident?" steht auf ATV ab 22. März in vier Episoden auf dem Programm.
    foto: atv

    "Die Lugners: Mörtel for Präsident?" steht auf ATV ab 22. März in vier Episoden auf dem Programm.

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