Thomas Cook: Reiselust der Europäer ungebrochen

11. Februar 2016, 15:12
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Prognose für 2016 bekräftigt

London – Die Reiselust der Europäer ist dem Ferien-Anbieter Thomas Cook zufolge trotz der Anschläge von Paris und Istanbul ungebrochen. "Die Leute haben weiterhin Geld in der Tasche und wollen Urlaub machen", sagte Thomas Cook-Chef Peter Fankhauser am Donnerstag.

Zwar hätten einige Kunden nach den Attentaten ihre Buchungen verschoben. Inzwischen gebe es aber klare Anzeichen einer Erholung. Dabei setzten immer mehr Kunden auf Pauschalurlaub, weil sie sich dabei sicherer fühlten.

Trend zu Last-Minute-Buchungen

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2015/16 bis Ende Dezember hätten in der eigentlich ruhigeren Winterzeit zudem ungewöhnlich viele Menschen Urlaub gemacht, erklärte der britische Konzern. Anstelle von Nordafrika seien dabei vermehrt Ziele in Spanien oder der Karibik gebucht worden. Thomas Cook habe seinen operativen Verlust in dem Zeitraum daher um elf Prozent auf 49 Mio. Pfund (63,4 Mio. Euro) verringern können.

Der Umsatz ging wegen der starken britischen Währung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7 Prozent auf 1,4 Mrd. Pfund zurück. Währungsbereinigt hätte der Umsatz um ein Prozent zugelegt. Umbaukosten bei den britischen Reisebüros ließen den Vorsteuerverlust um eine Million auf 116 Mio. Pfund wachsen.

Düstere Aussichten für Türkei-Tourismus

Der Veranstalter, der in Deutschland vor allem mit der Marke Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor vertreten ist, erwartet jetzt insgesamt einen Trend zu Last-Minute-Buchungen. Die Nachfrage nach Türkei-Urlauben dürfte aber rasch wieder anziehen, sagte Fankhauser. An der Börse konnte das Unternehmen damit nicht überzeugen. Für die Thomas-Cook-Aktie ging es in London am Vormittag um 4,62 Prozent abwärts.

Die düsteren Aussichten für den Türkei-Tourismus kommen nicht überraschend. Am Dienstag hatte der weltgrößte Reisekonzern TUI für das Land am Bosporus einen Buchungsrückgang um 40 Prozent gemeldet. Thomas Cook machte dazu keine genauen Angaben, hat das eigene Türkei-Angebot im Vergleich zum Vorjahr jedoch um 29 Prozent gekappt.

Harter Preiskampf

Auch insgesamt liegen die Buchungen bei dem Veranstalter hinter dem Vorjahr zurück. Bis jetzt seien von allen Sommer-Angeboten erst 29 Prozent verkauft – zwei Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr. Thomas Cook weitet nun das Angebot etwa für Spanien samt Inseln sowie für Bulgarien aus. Die Türkei gehört im Sommer zu den wichtigsten Flugreisezielen der Europäer, Thomas Cook ist mit seiner Tochter Öger Tours in dem Segment besonders stark vertreten.

Unterdessen müssen sich die großen Veranstalter in Deutschland einem harten Preiskampf in der Branche stellen: Während in Großbritannien und Nordeuropa die Preise für den Sommer bisher anziehen, seien sie in Deutschland unter Druck, hieß es bei Thomas Cook. Auch TUI hatte von einem harten Wettbewerb berichtet.

Reisen verschieben sich in andere Länder

Wie schon der europäische Branchen-Primus TUI bekräftigte auch Cook seine Prognose für 2016, obwohl die Zahl der Sommer-Buchungen bisher unter dem Vorjahreswert liegt. TUI-Chef Friedrich Joussen hatte erklärt, zwar gebe es derzeit einen kräftigen Rückgang der Sommerbuchungen im wichtigen Reiseland Türkei. Die Reisen würden aber in andere Länder verschoben, so dass insgesamt nicht weniger Gäste erwartet würden.

Die Konzerne kämpfen mit Folgen der Anschläge in beliebten Regionen. In Istanbul starben im Jänner zehn Deutsche bei einem Selbstmord-Attentat. Bei den Anschlägen in Paris im November wurden 130 Menschen getötet, beim Angriff auf ein Strandhotel von TUI im tunesischen Sousse im Sommer kamen 39 Menschen ums Leben. Zudem wurden beim Absturz eines russischen Ferienfliegers über der ägyptischen Halbinsel Sinai nach einem mutmaßlichen Bombenanschlag alle 224 Insassen getötet. Die Taten werden radikalen Islamisten zugeschrieben. (APA, Reuters, 11.2.2016)

  • Die Türkei (im Bild: Antalya) wird Urlaubereinbussen hinnehmen müssen.
    foto: reuters/murad sezer

    Die Türkei (im Bild: Antalya) wird Urlaubereinbussen hinnehmen müssen.

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