Agrarflächen: Sinkende Bodenqualität kommt teuer

11. Februar 2016, 15:05
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Fruchtbarkeit und Produktivität sinken auf 30 Prozent der Agrarfläche weltweit. Kosten teilen sich Nutzer und Allgemeinheit

Berlin – Die Böden auf etwa 30 Prozent der Landfläche weltweit verschlechtern sich einer Studie zufolge deutlich. Fruchtbarkeit und Produktivität verringerten sich demnach in den vergangenen 30 Jahren auf Weide- und Ackerland ebenso wie auf Waldflächen. Betroffen seien arme wie reiche Länder, insgesamt ein Lebensraum von 3,2 Milliarden Menschen.

Der Trend sei "signifikant negativ", sagte Joachim von Braun, Mitherausgeber der Studie, am Donnerstag in Berlin. Als Ursachen für die Bodenerosion nennen die Forscher nicht nachhaltige, intensive Landnutzung. Es wird zum Beispiel zu viel Vieh auf zu geringer Fläche gehalten, Wälder werden zugunsten weiterer Acker- und Weideflächen gerodet und Äcker mit schädigenden Methoden bearbeitet. Mineraldünger steigert zwar kurzfristig die Erträge, doch der Boden verliert langfristig an Nährstoffen. Belastend sind auch das Wachstum der Weltbevölkerung und der zunehmende Appetit auf Fleisch und Milch in Entwicklungsländern. Diese Lebensmittel erfordern relativ viel Fläche in der Produktion.

Satellitendaten ausgewertet

Die Kosten der Böden-Degradierung werden auf 300 Milliarden Euro jährlich beziffert. Das internationale Team hatte etwa Satellitendaten ausgewertet und Untersuchungen besonders betroffener Länder und Regionen wie Argentinien und Afrika angefertigt. Vor allem Süd- und Osteuropa sind nach von Brauns Worten nicht von der Problematik ausgenommen.

Um die Kosten zu berechnen, bezogen die Forscher neben dem Wert landwirtschaftlicher Erzeugnisse auch Folgen für Wasser, Artenvielfalt und Klima ein. Die Milliardenkosten hätten daher je etwa zur Hälfte Landnutzer und Allgemeinheit zu tragen, so der Wissenschafter. Investitionen in den Erhalt von Böden seien sehr lohnend, betonte von Braun: Pro US-Dollar, der aktuell ausgegeben werde, spare man eines Tages das Fünffache an Folgekosten.

Die Ressource Boden sei nicht erneuerbar, mahnte der frühere Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer, der sich für Bodenschutz starkmacht. "Wenn Böden verlustig gehen, gibt es Spannungssituationen." Davon gebe es schon genug.

Stabilere Produktionsgrundlagen

Boden lasse sich innerhalb weniger Jahre rehabilitieren, sagte Stefan Schmitz vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). Das BMZ war Auftraggeber der Studie und unterstützt etwa Aufforstungsprojekte in verschiedenen Ländern.

Würden stabilere Produktionsgrundlagen geschaffen, könnten Menschen auch besser mit Klimaphänomenen wie El Niño umgehen, sagte Schmitz. Andernfalls drohe sich die Armut in unmittelbar von Landwirtschaft abhängigen Regionen zu verschärfen. Hunger ist eine Fluchtursache, wie Matthias Meißner von der Umweltstiftung WWF betonte. (APA, 11.2.2016)

  • Der Trend bei der Entwicklung der Bodenqualität ist gemäß einer Studie signifikant negativ.
    foto: dpa/roland weihrauch

    Der Trend bei der Entwicklung der Bodenqualität ist gemäß einer Studie signifikant negativ.

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