Zahl der arbeitslosen Pflichtschulabsolventen in Wien dramatisch hoch

11. Februar 2016, 14:09
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Die Jobs für niedrig ausgebildete Arbeitskräfte verschwinden laut AMS-Chef Kopf sukzessive. In Wien ist die Lage besonders dramatisch

Wien – Die Arbeitslosenquote von Personen nur mit Pflichtschulabschluss ist seit der Wirtschaftskrise 2008/09 in Österreich um zehn Prozentpunkte auf 26 Prozent nach oben geschnellt. Die Krise habe Strukturveränderungen "eher beschleunigt", kommentierte AMS-Chef Johannes Kopf im APA-Gespräch den Anstieg. Dramatisch ist die Lage in Wien mit einer Arbeitslosenrate von 39 Prozent bei Pflichtschulabsolventen.

Für dieses Problem sei das Arbeitsmarktservice "nicht stark genug", verweist Kopf auf nötige Reformen im Bildungssystem. Die Jobs für niedrig ausgebildete Arbeitskräfte würden hierzulande immer mehr verschwinden. Der österreichische Arbeitsmarkt sei bestimmt von den "großen Trends" Globalisierung, Technologisierung und Ökologisierung. Die Unternehmen würden vor allem Arbeitskräfte mit "höherer Qualifizierung" suchen. Das Arbeitsmarktservice (AMS) ermöglicht derzeit rund 20.000 Arbeitslosen pro Jahr eine Höherqualifizierung mit Abschluss.

Bessere Chancen mit besserer Bildung

Deutlich besser sieht die Lage am heimischen Arbeitsmarkt für Personen mit höheren Bildungsabschlüssen aus: Die Arbeitslosenquote für Personen mit Lehrabschluss lag im Jahr 2015 bei 7,8 Prozent, mit allgemeinbildender höherer Schule (AHS) bei 5,2 Prozent, mit berufsbildender höherer Schule (BHS) bei 4,7 Prozent, mit berufsbildender mittlerer Schule (BMS) bei 3,9 Prozent und mit Uni-, FH-, PH- oder Akademie-Abschluss bei 3,4 Prozent.

Insgesamt waren im Jahr 2015 rund 354.000 Personen arbeitslos gemeldet (ohne Schulungsteilnehmer), ein Plus von 35.000 Arbeitslosen oder 11 Prozent. Knapp die Hälfte der arbeitslosen Personen hatte im vergangenen Jahr nur eine Pflichtschulbildung, drei von zehn Arbeitslosen verfügten über einen Lehrabschluss. Insgesamt wiesen damit fast 80 Prozent aller arbeitslosen Personen maximal eine Lehrausbildung auf, geht aus dem aktuellen "AMS-Spezialthema Arbeitsmarkt & Bildung" hervor.

Als positiv hob der AMS-Vorstand die Ausbildungsgarantie bis 18 Jahre hervor, die ab Herbst gelten soll. Damit könnte man den Anteil von Jugendlichen mit nur Pflichtschulabschluss von aktuell sieben Prozent auf womöglich drei Prozent senken, hofft Kopf. Österreich liege bei diesem Wert bereits im Spitzenfeld Europas. Für die Qualifizierung von Flüchtlingen kann sich der AMS-Chef die Schaffung von sogenannten Erwachsenenschulen vorstellen. (APA, 11.2.2016)

  • Für AMS-Chef Johannes Kopf stellt die steigende Arbeitslosigkeit bei Pflichtschulabsolventen ein Problem dar.
    foto: apa/hans klaus techt

    Für AMS-Chef Johannes Kopf stellt die steigende Arbeitslosigkeit bei Pflichtschulabsolventen ein Problem dar.

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