Zeman wegen Bestätigung von Lösegeld-Zahlung kritisiert

11. Februar 2016, 13:08
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Opposition forderte Rücktritt des Staatschefs und stellte "Hochverrats-Klage" in Aussicht

Prag – Der tschechische Präsident Milos Zeman wird in seinem Land kritisiert, weil er öffentlich zugegeben hat, dass Tschechien Lösegeld für die Freilassung von zwei in Pakistan entführten Tschechinnen gezahlt hat. Die Oppositionspartei TOP 09 forderte Zemans Rücktritt und droht mit einer Klage wegen Hochverrats. Auch von der Regierung hagelte es Kritik. Zeman selbst dementiert.

Zeman hatte diese Woche bei einem Besuch im westböhmischen Kornatice auf die Frage einer Bürgerin Berichte bestätigt, wonach die tschechische Regierung den Entführern sechs Mio. US-Dollar (5,33 Mio. Euro) gezahlt haben soll. "Soviel ich weiß, handelte es sich um 150 Mio. Kronen (5,55 Mio. Euro), aber es hängt davon ab, in welchem Kurs man umrechnet", erklärte Zeman laut Medienberichten. "Wissen Sie, das ist ein riesiges Dilemma. Stellen Sie sich vor, dass wir nicht zahlen und die Mädchen hingerichtet würden. Oder, was die bessere Variante ist, sie im Harem eines der Entführer blieben", so der Präsident weiter.

Freilassung im März

Beide Frauen waren 2013 in der pakistanischen Provinz Baluchistan entführt worden. Im März 2015 kehrten sie nach Tschechien zurück, nachdem eine türkische humanitäre Organisation ihre Freilassung vermittelt hatte. Seitdem spekulierten tschechische Medien, dass Lösegeld geflossen sei.

Zemans nunmehrige Bestätigung sorgte für wütenden Protest. Die oppositionelle Partei TOP 09 forderte den Präsidenten zum Rücktritt auf, weil er Tschechien sowie jeden tschechischen Bürger gefährdet habe, der ins Ausland reise. Andernfalls will sich die Partei an den Verfassungsgerichtshof wenden, der prüfen soll, ob Zeman "Hochverrat" begangen habe. Kritik kam auch von Regierungschef Bohuslav Sobotka. Politiker sollten sicherheitspolitischen Angelegenheiten nicht so kommentieren, weil dies nichts lösen könne, erklärte er.

Zeman selbst dementiert, dass er eine Lösungszahlung bestätigt habe. Er habe "nur aus öffentlichen Quellen zitiert", sagte er in Anspielung auf den Bericht der Wochenzeitung "Respekt".

Eine Hochverratsklage muss in Tschechien von beiden Kammern des Parlaments mit einer Drei-Fünftel-Mehrheit gebilligt werden. (APA, 11.2.2016)

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