Wochenlange Wartezeiten auf Operationen in Innsbruck

11. Februar 2016, 14:11
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Versorgung sei in mehreren Kliniken gefährdet, "Zwei-Klassen-Medizin" werde befeuert, schlussfolgert die Liste Fritz aus einer Anfragebeantwortung

Zwei bis zweieinhalb Monate warte man auf eine Standardoperation an der Innsbrucker Klinik für Augenheilkunde, sogar vier Monate auf einen Eingriff an der Hüfte in der Orthopädie. "Wer es sich leisten kann, der wird sich privat operieren lassen. Das befeuert die Zwei-Klassen-Medizin und untergräbt den öffentlichen Versorgungsauftrag", wird Andrea Haselwanter-Schneider, Klubobfrau der Liste Fritz, in einer Aussendung zitiert.

Die Tiroler Kleinpartei hat eine Landtagsanfrage zum Thema Patientenversorgung an den Tiroler Kliniken gestellt – und heute, Donnerstag, die Beantwortung vorgelegt. Die Liste Fritz macht nun fünfzehn problematische Fachabteilungen an der Universitätsklinik Innsbruck und fünf am Landeskrankenhaus Hall aus.

Notoperationen nicht betroffen

Gefährdet sei die Patientenversorgung in jenen Abteilungen, in denen sich besonders viele Ärzte dazu entschieden haben, nach den neuen Arbeitszeitregelungen höchstens 48 Stunden pro Woche zu arbeiten. Das sei in Innsbruck vor allem in der Dermatologie, der Plastischen Chirurgie und der Augenheilkunde der Fall, in Hall in der Inneren Medizin und der Chirurgie.

Vonseiten der Tirol Kliniken wird betont, dass es doch das erklärte Ziel sei, dass möglichst viele Mediziner nach den Maßgaben des neuen Gesetzes arbeiten. Die genannten Abteilungen seien auch nicht zwangsläufig jene, in denen es Probleme gibt.

Die Notfallversorgung sei bisher stets gewährleistet gewesen, stellte darüber hinaus Tirols Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) klar. "Das ist doch das Mindeste. Das Geld ist da, es ist jetzt die Aufgabe der Landesregierung, das Steuergeld der Tiroler sinnvoll zu verteilen", sagt Haselwanter-Schneider. Sie fordert ein Paket für den gesamten Gesundheitsbereich und alle Mitarbeiter.

Zwei bis drei Bewerber

Bereits beschlossen ist, dass bis zum Jahr 2017 hundert zusätzliche Mediziner angestellt werden sollen. Aus der Anfragebeantwortung geht hervor, dass im vergangenen Jahr 57 dieser Stellen bereits eingerichtet und bis November 51 davon besetzt wurden. Pro Stelle würden sich durchschnittlich zwei bis drei Ärzte bewerben. "Mangelfächer" seien die Psychiatrie, die physikalische Medizin und Rehabilitation. (Katharina Mittelstaedt, 11.2.2016)

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    foto: apa/fohringer
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