2.000 Flüchtlinge geschleppt: Prozess in Korneuburg

11. Februar 2016, 11:03
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Fünf Angeklagte – Flüchtlinge wurden laut Anklage zusammengepfercht nach Österreich gebracht

Korneuburg – Bei einem Schlepperprozess sind am Donnerstag fünf Angeklagte am Landesgericht Korneuburg vor einem Schöffensenat gestanden. Den Beschuldigten – drei Männern und zwei Frauen – wird vorgeworfen, von Februar bis September 2015 etwa 2.000 Flüchtlinge nach Österreich gebracht zu haben. Bei "großen Touren" wurden laut Anklage dreimal wöchentlich je 40 Personen pro Fahrt transportiert.

Die Aufträge bekamen eine 60-Jährige und ihr 43-jähriger Lebensgefährte vom Kopf einer Schlepperbande, hieß es in der Anklage. Je Flüchtling erhielten die beiden 250 bis 300 Euro, wobei sie laut Staatsanwaltschaft meist nur 200 bis 250 Euro pro Transport an die Lenker der Fahrzeuge weitergaben. Mit den Fahrten soll die Bande 375.000 Euro verdient haben, sagte Staatsanwältin Bianca Schöndorfer.

Die weiteren männlichen Angeklagten (36 und 50 Jahre alt) haben sich als Fahrer zur Verfügung gestellt. Das Verfahren gegen zwei der ursprünglich sieben Beschuldigten wurde ausgeschieden, weil die Anklage nicht zugestellt werden konnte, erläuterte Richter Dietmar Nussbaumer zu Verhandlungsbeginn.

Allein von Mai bis Mitte September vergangenen Jahres wurden 1.500 Flüchtlinge transportiert. Als die "Profitgier noch größer wurde", wurden auf "großen Touren" dreimal pro Woche in mehreren Fahrzeugen im Konvoi bis zu 40 Flüchtlinge in teils völlig überladenen Fahrzeugen nach Österreich geschleppt, führte Schöndorfer aus. Die Männer am Steuer waren angewiesen worden, die Fahrt nicht zu unterbrechen. Die Flüchtlinge wurden weder mit Wasser noch Nahrung versorgt. Sie wurden "für längere Zeit in qualvollen Zustand versetzt" und konnten nicht auf die Toilette gehen, sagte Schöndorfer. Unter anderem wurden in einem Renault Espace, in dem Sitze entfernt worden waren, 14 Personen teils übereinander liegend transportiert.

Die Schlepperbande wurde am 11. September durch die Festnahme zahlreicher Mitglieder zerschlagen. Auf die Spur kamen die Ermittler durch Aussagen von Fahrern der Transporte, die in einem anderen Prozess bereits rechtskräftig zu eineinhalb bis zwei Jahren Haft verurteilt wurden. Zudem gab die Auswertung von Handygesprächen Hinweise auf Schlepperfahrten. (APA, 11.2.2016)

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